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Alles über Chamäleons
Die Chamäleons (Chamaeleonidae) (griech. χαμαιλέων – chamaileon „Erdlöwe”), auch Wurmzüngler genannt, sind eine Familie innerhalb der Klasse der Reptilien (Reptilia).
Derzeit sind ungefähr 160 verschiedene Arten beschrieben, die sich in zwei Unterfamilien aufteilen: Die Echten Chamäleons (Chamaeleoninae) und die Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae). Nahezu alle Chamäleons sind in ihrem natürlichen Lebensraum gefährdet, weshalb sie unter das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen fallen und ihre Haltung somit meldepflichtig ist.
- Systematik
- Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
- Klasse: Reptilien (Reptilia)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Leguanartige (Iguania)
- Familie: Chamäleons
- Wissenschaftlicher Name
- Chamaeleonidae
- Werner, 1902
- Unterfamilien
- Echte Chamäleons (Chamaeleoninae)
- Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae)
Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae). Nahezu alle Chamäleons sind in ihrem natürlichen Lebensraum gefährdet, weshalb sie unter das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen fallen und ihre Haltung somit meldepflichtig ist.
Verbreitung
Ursprünglich stammen die Chamäleons aus Ostafrika. Ihre Vielfalt entstand allerdings in Westafrika und Madagaskar. Heutzutage findet man sie auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, besonders auf Madagaskar und im Mittelmeergebiet, aber auch in Indien und Sri Lanka, der Türkei samt der Arabischen Halbinsel. Dennoch konzentriert sich der Hauptverbreitungsraum auf Afrika (außer Norden) und Madagaskar.
Während die Stummelschwanzchamäleons der Gattung Brookesia nur auf Madagaskar vorkommen und die Erdchamäleons der Gattungen Rhampholeon und Rieppeleon nur an der Äquatorialebene Afrikas anzutreffen sind, kommen die Echten Chamäleons (Chamaeleoninae) in allen oben genannten Ländern vor.
Lebensraum und Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Kornnatter erstreckt sich entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten vom Bundesstaat New York bis in die Florida Keys. Die westlichsten Populationen von Pantherophis guttatus finden sich in den Bundesstaaten Mississippi, Louisiana und Tennessee, wo das Verbreitungsgebiet an die Habitate der Slowinski’s Kornnatter (Pantherophis slowinskii) und der Prärie-Kornnatter (Pantherophis emoryi) grenzt.
Bedingt durch das große Verbreitungsgebiet bewohnt die Kornnatter unterschiedlichste Lebensräume, die sich zum Teil erheblich in ihrer geographischen Beschaffenheit und dem Lokalklima unterschieden. So reicht ihr Lebensraum von Habitaten auf Seehöhe bis hinauf in höhere Lagen von über 750 m. In den unterschiedlichen Zonen ihres Verbreitungsgebietes bewohnt die Kornnatter sowohl sommerfeuchte Laub- und Nadelwälder, Busch- und Graslandareale als auch Feuchtgebiete, als Kulturfolger ist sie darüber hinaus häufig in der Nähe menschlicher Siedlungen zu finden.
Lebensraum
Der Lebensraum ist bei den beiden Unterfamilien unterschiedlich. Die Echten Chamäleons sind Busch- und Baumbewohner. Der Körperbau hat sich dem Leben in der Höhe gut angepasst (Greifschwanz, Greiffüße). Dennoch gibt es auch ein paar Arten die den Boden bewohnen. Bei den Erd- bzw. Stummelschwanzchamäleons wird, wie schon der Name erahnen lässt, die Laub- und Krautschicht als Lebensraum bevorzugt. Außerdem haben die Tiere viele Ökozonen erschlossen. In der sich im Norden befindenden Sahara leben in den Oasen der Wüste einige Arten, ganz im Gegensatz zu Chamäleons, die in extremer Kälte leben, wie zum Beispiel Chamaeleo schubotzi das an der Schneefallgrenze des 4500 m hohen Mount Kenia lebt. Ein weiteres Beispiel ist Bradypodion occidentale, welches die Muschelkiesdünen von Süd-Westafrika bewohnt. Dort ist es nicht nur besonders heiß, sondern auch wegen des hellen Bodens und der Sonnenreflektion gleißend hell.
Dennoch ist es schwierig, einer bestimmten Art einen eindeutigen Lebensraum zuzuordnen, da sich innerartliche Unterschiede des Lebensraumes über Jahrtausende herausgebildet haben. Hierbei liegen hohe Differenzen in Luftfeuchtigkeit und Umgebungstemperatur vor.
Körperbau
Chamäleons können in ihrer Körperform sehr stark variieren (physiophren). Dadurch ist es ziemlich schwer, einige Arten genau zu bestimmen. Die Formen sind nämlich vom Alter und vom Geschlecht abhängig. Feste Merkmale sind meist die Hörner und die Schnauzenfortsätze. Es gibt Arten, die sehr kleine Schnauzenfortsätze haben (Calumma nasutum) oder Tiere mit einem riesigen Schnauzenfortsatz (Calumma parsonii). Für die innerartliche Erkennung sind diese Fortsätze unerlässlich. Außerdem gibt es verschiedene Hörnertypen. Eine Art, Chamaeleo quadricornis gracilior, hat bis zu sechs Hörner, Chamaeleo johnstoni nur drei.
Des Weiteren haben die Echsen Occipitallappen. Diese Lappen werden abgespreizt, um größer zu wirken. Damit sollen potentielle Feinde verscheucht werden.
Körperbau eines Musterchamäleons
Charakteristisch sind auch die verschiedenen Kämme. Jene Kämme kommen an Rücken, Bauch und Kehle vor. Der Rückenkamm ist variabel. Entweder sind es Kegelschuppen, Stacheln oder ein an eine Rückenflosse erinnerndes Rückensegel, wie zum Beispiel bei Chamaeleo cristatus. Bauch und Kehlkämme sind heutzutage deutliche Unterscheidungsmerkmale.
Der auf dem Kopf befindliche Helm ist ein weiteres Merkmal. Er wird bis zu 8 cm hoch. Er hat die Funktion, den Umriss des Chamäleons so zu verändern, dass es nicht mehr als ein solches erkennbar ist.
Genauso unterschiedlich wie diese Merkmale ist auch die Körpergröße, wobei die Männchen meist größer sind als die Weibchen. Das Riesenchamäleon (Furcifer oustaleti) sowie Calumma parsonii erreichen eine maximale Gesamtlänge von ungefähr 1 m, im Gegensatz dazu ist Brookesia minima
das mit 3,5 cm kleinste Chamäleon.
Der gesamte Körper der Echten Chamäleons ist für ein Leben in den Bäumen ausgerichtet, obwohl einige Arten nahezu ausschließlich terrestrisch leben (z. B. Chamaeleo namaquensis). Mit ihrem Körper imitieren sie verschiedene Teile von Pflanzen. Die Echten Chamäleons erinnern mit ihrem Körper an ein Blatt, die Erdchamäleons an altes Holz oder Laub (besonders Brookesia decaeyi). Außerdem haben sich die Füße zu Zangen umgeformt, mit denen sich jeder Ast umschließen lässt. Manche Arten haben zusätzlich Krallen, die den Griff noch sicherer machen. Die Füße haben einen besonderen Aufbau: Insgesamt ist jeder Fuß mit fünf Zehen ausgestattet, wobei jeweils zwei und drei Zehen miteinander verwachsen sind. Dabei sind die Hinterfüße genau umgekehrt in der Anordnung zu den Vorderfüßen (2-3 3-2). Zusätzlich zu den Füßen unterstützt bei den Echten Chamäleons der Greifschwanz das Klettern. Die Wichtigkeit dieses Schwanzes wird durch die fehlende Fähigkeit, den Schwanz abzuwerfen und zu regenerieren (Autotomie) verdeutlicht. Im Gegensatz zu den Echten Chamäleons hat der Schwanz bei den Erdchamäleons eine eher geringe Bedeutung. Er ist relativ unbeweglich und hat nur eine Art Abstützfunktion.
Eine Besonderheit ist die Fähigkeit, bei einem Fall vom Baum die Lungen aufzublähen, sodass sie den Sturz abfangen.
Augen
Chamäleonaugen sind ein besonders typisches Merkmal der Echsen. Sie gelten als sehr hoch entwickelt und sind besser als das menschliche Auge. Sie haben zwar auch eine Linse, allerdings ist nur die Pupille sichtbar. Hornhaut und andere Teile werden von schuppenartigen Lidern umschlossen, die zum Teil mit dem Augapfel verwachsen sind. Die Sehschärfe wird durch die Hornhaut bewirkt. Durch das Lidloch und die Pupille tritt zusätzlich ein Effekt ein, der am ehesten mit einer Lochkamera vergleichbar ist. Dieser Effekt bringt zusätzliche Schärfe. Dadurch kann das Chamäleon auf bis zu einen Kilometer Entfernung scharf sehen. Somit kann das Tier mögliche Feinde rasch erkennen und Schutz im Blattwerk suchen. Eine weitere Besonderheit ist eine natürliche „Sonnenbrille“. Auf den Zapfen der Netzhaut, die nebenbei ein Zeichen für Tagaktivität und Farbensehen sind, können sich winzige Öltropfen anlagern, die angrenzende Sehnerven schützen, indem sie den Lichteinfall abschwächen.
Eine weitere Fähigkeit, die nur den Chamäleons vorbehalten ist, liegt im unabhängigen Bewegen der Augen. Sie sind so angeordnet, dass sich die Sehfelder nicht zu einem Bild überschneiden können, sondern immer zwei einzelne Bilder entstehen. Allerdings weiß man heute noch nicht, wie die beiden Bilder verarbeitet werden.
Die ungewöhnliche Beweglichkeit der Augen wird durch einen komplexen Muskelapparat gewährleistet.
Der tägliche Gebrauch der Augen folgt einem festen Muster und gilt für jede Chamäleonart:
* Zuerst wird unabhängig voneinander die gesamte Umgebung abgesucht.
* Ist ein Beutetier gefunden, wird es mit beiden Augen fokussiert.
Wenn man sich die Augen noch genauer anschaut, stellt man fest, dass sie aus dem Kopf regelrecht herausstehen. Dadurch wird das Sichtfeld enorm vergrößert. Auf senkrechter Ebene beträgt das Sichtfeld 90°, auf waagerechter Ebene 180°. Es ergibt sich ein genaues Sichtfeld von 342°. Dadurch entsteht ein toter Winkel von 18°, der nur einen Teil des Rückens umfasst.
Abgesehen vom Aspekt des Sehens hat das Auge auch die Funktion der innerartlichen Kommunikation. Durch das Färben der Augenpartien wird Paarungsbereitschaft oder Wiedererkennung innerhalb der Art signalisiert.
Zum Schlafen werden die Augen nach unten gesenkt und die Pupillen in eine Hautfalte gedreht, in der sie mit Hornplatten geschützt sind. Manche Arten können auch die gesamten Augen in den Kopf zurückziehen.
Zunge
Auch typisch für Chamäleons ist ihre unverwechselbare Schleuderzunge. Sie ist in der Natur einzigartig. Sie kann immerhin eine Zugkraft von etwa 0,4 Newton(N) aufbringen (Dischnerscher Versuch mit Chamaeleo montinum 1958)
Die Zunge ist im Kehlsack auf dem Zungenbein, einem Sesambein, zusammengezogen. Dabei wird sie nicht aufgerollt, sondern ist mit einem kurzen Stück Gummiband vergleichbar.
Das Zungenbein ist mit zwei Gelenken ausgestattet, die den gesamten Knochen nach vorne schieben können. Im Falle eines Zungenschusses wird das Zungenbein nach vorne geschoben und die Muskulatur der Zunge angespannt, wodurch die Zunge aus dem Maul herausschnellt. Dieser Vorgang geschieht in einer Zehntelsekunde. Dadurch hat das Beutetier keine Chance zu fliehen.
Damit das Beutetier mit der Zunge zurück in das Maul schnellt, ist sie mit einem Sekret benetzt. Dieses Sekret ist nicht klebrig, sondern hilft durch eine große Oberflächenspannung nur, die Beute an die Zunge zu haften. Außerdem ist das Ende der Zunge verdickt und teilt sich in zwei Lappen. Hiermit wird dann das Opfer umschlossen.
- Die fünf Phasen des Zungenschusses
- Das Beutetier wird fixiert und auf Größe, Form und Art geprüft,
Ermittlung des Abstandes zwischen Jäger und Gejagtem - Das Maul öffnet sich langsam, die Zunge wird vorbereitet und ein Stück
nach vorne geschoben - Die Zunge wird abgeschossen
- Das Beutetier wird ergriffen
- Die Beute wird ins Maul gezogen, im Maul festgehalten, während sich die
Zunge in den Kehlsack zurückzieht. Dann wird die Beute als Ganzes
hinuntergeschluckt
Auch für die Wasseraufnahme wird die Zunge benutzt. Einige Arten lecken das Wasser von Blättern und ähnlichem, manche benutzen sie als Wasserleitung, indem sie die Zunge an Äste oder Blätter legen, über die Wasser fließt. Dann läuft es an der Zunge herunter direkt ins Maul.
Arten, die auf langsame Beute wie Schnecken spezialisiert sind, brauchen den Zungenschuss nicht. Sie nehmen die Beute direkt mit dem Maul auf.
Sonstige Merkmale
Da der Sehsinn besonders gut ausgebildet ist, wurde ein anderer Sinn
vernachlässigt: Das Gehör der Chamäleons ist relativ schlecht entwickelt. Eine
Ausnahme ist das zum Bodenbewohner gewordene Chamaeleo namaquensis,
dessen Gehör vielen Chamäleons weit voraus ist.
Einige Arten, z. B. Ch. namaquensis und Bradypodion occidentale
haben eine spezielle Salzdrüse, die sogenannte Hadersche Drüse. Diese ist
besonders wichtig für Arten, die in Trockengebieten leben. Sie können
überschüssiges, wasserbindendes Salz an einer Drüse an der Nase ausscheiden und
dadurch längere Zeit ohne Wasser auskommen.
Die Nase hat nur Atemfunktion. Das Riechen geschieht, wenn es überhaupt
stattfindet und nicht auch ein ausgesparter Sinn ist, über das Jacobson-Organ.
Allerdings ist es ebenfalls nicht sicher, ob die Chamäleons dieses Organ
tatsächlich benutzen.
Farbwechsel
Der Farbwechsel dient bei Chamäleons nicht in erster Linie der Tarnung, sondern vor allem zur Kommunikation mit Artgenossen. Die Bereitschaft zur Balz wird zum Beispiel oft von auffälligeren Farben und Mustern begleitet. Die Färbung hängt zudem von äußeren Faktoren wie Licht, Tageszeit, Luftfeuchtigkeit oder Temperatur ab. Mit zunehmenden Alter und bei Krankheit werden die Farben blasser. Das prinzipiell mögliche Spektrum an Farben und Mustern ist artspezifisch. Einige Arten haben nur ein sehr kleines Farbspektrum (wie zum Beispiel die Stummelschwanzchamäleons) oder können ihre Farbe gar nicht wechseln. Der Farbwechsel läuft art- und situationsabhängig unterschiedlich schnell ab. Am schnellsten wechseln die Farben in Gefahren- oder Kampfsituationen.
Um die Farbe zu wechseln, verwenden die Tiere kleinste Muskeln, die darunter liegende Farbpigmente freilegen bzw. überdecken können. Für den Farbwechsel sind drei spezialisierte optische Hautzellentypen (Chromatophoren) verantwortlich, welche unter der Oberhaut in einigen Schichten übereinander liegen. Melanophoren, Xanthophoren (bzw. Erythrophoren) und Guanophoren enthalten Zytoplasma, in dem sich Farbstoffe befinden. Jede dieser Schichten ist für unterschiedliche Farben bzw. Farbzustände verantwortlich. Die oberste Schicht ermöglicht gelbe und rötliche Farbtöne. Darunter befindet sich eine Zellschicht mit schwarzen Pigmenten. Die unterste Zellschicht ist in der Lage, das einfallende Licht zu brechen und erzeugt damit die blaue Farbe.
Haut und Häutung
Die drüsenarme Haut der Chamäleons ist teils regelmäßig (Granula, oder Körnerschuppen), teils unregelmäßig (Tuberkel) mit Schuppen bestückt. Diese Verteilung ist nicht regelmäßig und kann auch innerhalb der Art stark variieren. Dennoch wird es als wichtiges Unterscheidungsmerkmal herangezogen. Es gibt mehrere Schuppenarten:
- Körnerschuppen → Normale Haut
- Tuberkeln → Normale Haut
- Tafelschuppen → Normale Haut
- Kegelschuppen → Nur an Kämmen (Rücken-, Kehl- oder Bauchkamm)
- Plattenschuppen → Nur am Kopf
- Dornen und Stachel aus Horn → Nur am Rückenkamm oder als Dorsal/Occipitalhorn
am Kopf
Die Hauptaufgabe der harten und rauen Haut besteht darin, Verletzungen zu verhindern und Temperatur sowie Flüssigkeit im Körper zu halten. Der Aufbau ist genauso wie bei anderen Reptilien: Obenauf liegt die Epidermis (Oberhaut), die alle äußeren Einflüsse abwehrt. Diese Schicht ist starr und verhornt und wächst nicht stetig mit dem Körper mit. Chamäleons wachsen bis zu ihrem Lebensende, wodurch es irgendwann unerlässlich ist, die alte Haut abzuwerfen. Deshalb müssen sich die Chamäleons häuten. Vor der Häutung wird unter der aktuellen Haut eine neue Schicht gebildet. Sie wird von einer noch tieferen Schicht gespeist, die ständig neue Hautzellen produziert. Kurz vor dem Bevorstehen der Häutung ist die Haut heller und trüber als sonst, die Zeichnungen auf der Haut wirken unscharf und verwaschen. Jetzt löst sich nach und nach die alte Epidermis. Durch Reiben und Rubbeln an Ästen u.ä. versuchen die Echsen den Vorgang zu beschleunigen. Selbst mit ihren Füßen und dem Maul ziehen sie ihre alte Haut ab. Die Häutung ist immer ein Zeichen dafür, wie gut es dem Tier geht. Sie hängt von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Hormonen ab. Bei einer schlechten Häutung geht es dem Chamäleon nicht gut.
Die Dauer einer solchen Prozedur hängt vom Tier ab. Mal kann es Tage, manchmal nur ein paar Stunden dauern.
Nach der Epidermis folgt das Corium (Lederhaut). Hier befindet sich die Muskulatur der Haut, die Nerven, Blutgefäße, elastische Fasern, Sinneskörper und Farbzellen enthält. Zum Schluss folgt die Subcutis (Unterhaut), eine Art Verbindungsstück.
Verteidigung
Die meisten Chamäleons verteidigen sich mit dem Aufreißen des Mauls, einige Arten können dabei sogar gut hörbare Zischlaute von sich geben (z. B. das Jemenchamäleon (Chamaleo calyptratus)). Die kleineren Arten lassen sich bei Gefahr meist zu Boden fallen und stellen sich tot (Thanatose).
Mimese
Mimese bedeutet, dass sich das Chamäleon durch das Nachahmen von Gegenständen aus seiner Umgebung, zum Beispiel Äste und Blätter, bzw. Laub, zu tarnen versucht. Dabei imitieren Echte Chamäleons besonders gern Blätter (Blattmimese), was auch schon durch die Körperform begünstigt wird. Wer schon einmal ein sich bewegendes Chamäleon gesehen hat, wird bemerkt haben, dass es sich immer ruckartig fortbewegt. Dadurch ahmt es ein sich bewegendes Blatt nach.
Eine andere Deutung ist das räumliche Sehen. Da die Augen nur eine kleine Überlappung des Gesichtsfeldes nach vorne haben, kann es nur da räumlich sehen. Der gesamte übrige Bereich muss durch Bewegung hilfsweise erfasst werden. Die beiden Teilbilder werden zeitlich nacheinander erfasst und im Gehirn zu einem räumlichen Bild zusammengesetzt. Diese Technik wird auch von Eulen angewendet, die dadurch die Basis des Systems vergrößern und kleine Entfernungsdifferenzen erfassen.
Die Erdchamäleons sind farblich gesehen eher braun, schwarz oder dunkelgrün. Durch ihre zackige Körperform (besonders Brookesia decaryi) imitieren sie überwiegend trockenes, am Boden liegendes Laub. Der Großteil der Chamäleons bevorzugt allerdings die Mimese mit Nachahmung eines Stockes (Stockmimese). Es gibt auch einige sehr spezialisierte Mimesen, zum Beispiel die Gras-Mimese von Rieppeleon kerstenii oder die Mimese eines vertrockneten Blattgerippes von verschiedenen madegassischen Erdchamäleons.
Thanatose
Die zweite Tarnmethode ist die Thanatose (Schreckstarre), bei der sich das Chamäleon tot stellt (bevorzugt bei Erdchamäleons). Hat das Chamäleon das Gefühl, von einem Feind entdeckt worden zu sein, verharrt es augenblicklich in seiner aktuellen Stellung. Wird sein Körper berührt, lässt es sich sofort fallen. Auf dem Boden ist es dann für potentielle Fressfeinde unsichtbar. Beim Fallen dreht sich das Chamäleon immer auf den Bauch, um einem Angreifer den Rücken zu zeigen. Dieser ist am unempfindlichsten gegen äußere Einflüsse, wie zum Beispiel Schnabelpicken und ähnliches. Dieser Schutz wird durch extra Knochen gewährleistet, die sich nach dem Fall „ausfahren“ und das Rückenmark schützen.
Ernährung & Vermehrung
Chamäleons ernähren sich von Insekten; größere Exemplare fressen auch kleine Vögel, genauso wie kleinere Artgenossen nicht verschmäht werden. Bei einigen Arten (Furcifer pardalis, Bradypodion fischeri, Chamaeleo jacksonii und insbesondere Chamaeleo calyptratus) wurde beobachtet, dass sie als Nahrungsergänzung auch gerne Früchte und Gemüse zu sich nehmen.
Als Echsen legen sie meist (durchschnittlich 4 Wochen nach der Begattung) Eier, sind also ovipar. Sie können 5-35 Eier legen. Aber es gibt auch Arten, wie zum Beispiel das Kleine Dreihornchamäleon (Chamaeleo (T.) fuelleborni), die vollentwickelte Junge zur Welt bringen, dies nennt man ovovivipar. Ovoviviparie tritt besonders häufig bei Tieren aus sehr kühlen Lebensräumen auf, da der Boden keine ausreichend hohe Temperatur für die Entwicklung der Eier bietet.
Furcifer labordi ist das kurzlebigste Landwirbeltier der Erde. Diese Chamäleonart stirbt im Alter von maximal fünf Monaten, in nur zwei Monaten wachsen die Tiere zur Geschlechtsreife heran, müssen dann rasch einen Partner finden und sich fortpflanzen, bevor sie im Alter von vier bis fünf Monaten sterben. Furcifer labordi lebt im Südwesten Madagaskars.
Haltung in Gefangenschaft
Chamäleons sind in den letzten Jahren aufgrund Ihrer Farbenpracht immer beliebter geworden. Der Haltungsaufwand für diese empfindlichen Tiere ist hoch; sie sind keinesfalls für unerfahrene Tierhalter geeignet. Einige Arten benötigen eine Nachtabsenkung bis auf 10 °C oder vertragen keine Temperaturen über 25 °C. Die Tiere fressen hauptsächlich Lebendfutter (einige fressen gelegentlich Pflanzenkost) und haben ein großes Frischluftbedürfnis, benötigen aber dennoch eine hohe Luftfeuchtigkeit. Für Anfänger sind am ehesten das Jemenchamäleon (Chamaleo calyptratus) und das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) geeignet, da diese Arten wohl zu den robustesten zählen.
Terrarienpflanzen dürfen nicht mit Dünger belastet sein, da viele Chamäleonarten auch Blätter fressen. Dies tun sie teils zur Deckung des Bedarfs an Pflanzenkost, teils um den Feuchtigkeitsbedarf zu decken. Chamäleons erkennen stehendes Wasser nicht, da sie in der Natur den Morgentau trinken. Hier ist die Vergabe von Wasser etwa mittels einer Pipette nötig. Auch kann stehendes Wasser zur Erkrankung des Tieres führen, da es oft mit Bakterien belastet ist, die das Immunsystem der Chamäleons nicht kennt. Handelsübliches Futter muss mit Nährstoffen (Vitaminpräparate und Mineralien) angereichert werden, da diese nicht ausreichend im Futter enthalten sind. Überfütterte Tiere haben eine verkürzte Lebensdauer. Eine handelsübliche Lichtquelle ersetzt die Sonne nicht. Das Terrarium kann jedoch nur direkt in der Sonne stehen, wenn das Becken groß genug ist, damit das Tier einer Überhitzung durch direkte Sonneneinstrahlung ausweichen kann. Überhitzung kann schnell zum Tod des Chamäleons führen.
Für Anfänger ist die Einzeltierhaltung ratsam. Die Pärchenhaltung ist oft problematisch, da manche Männchen mehrere Weibchen „brauchen“ (sonst Erschöpfung des Weibchens); zwei Männchen können sich durch Revierkampf bis in den Tod stressen. Chamäleons sind von ihrer Natur Einzelgänger, die ihre Reviere bis aufs Blut verteidigen. Bei den meisten Arten haben die Männchen bedeutend hübschere Farben als die Weibchen. Die Nachzucht der meisten Arten ist ein kompliziertes Vorhaben. Beispielsweise benötigen Pantherchamäleons ein Jahr Inkubationszeit mit dreimaliger Temperaturveränderung und einer ganz bestimmten Feuchtigkeit. Chamäleons können ein Auge bis zu 2 cm aus der Augenhöhle herausdrücken, um es von störendem Dreck zu befreien. Bei eingefallenen Augen ist der sofortige Gang zum Tierarzt angeraten. Tiere nicht greifen, streicheln oder sonstiges. Nach Abschluss der Häutung alle restlichen Hautfetzen abknibbeln, da sich sonst Bakterien und Parasiten dort verstecken.
Wildfangtiere werden häufig angeboten, gehen jedoch aufgrund von Transportstress und Krankheiten häufig nach kurzer Zeit ein. Wildfänge haben selbst bei professionellen Züchtern eine sehr geringe Überlebenschance. In Deutschland kann man Nachzuchten über die AG-Chamäleons erhalten.
Symbolische und mythologische Bedeutung
Sprichwörtlich ist das Chamäleon als Begriff für Personen geworden, die es verstehen sich jeder Umgebung anzupassen. Dieser Begriff kann sowohl positiv als auch negativ besetzt werden. In einigen Kulturen steht das Chamäleon für die Zeit, da seine Augen mit der Fähigkeit nach hinten, seitlich und nach vorn gleichzeitig zu blicken, als Symbol für die Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelten.
Besonders in der Mythologie Afrikas spielt das Chamäleon eine sehr große Rolle. Genau wie dem schlauen Fuchs oder der diebischen Elster werden den Chamäleons auch spezielle Eigenschaften angerechnet:
Überbringer einer Botschaft von den Göttern. Diese beschrieben darin die
Unsterblichkeit des Menschen. Nachdem sie dem Chamäleon den Auftrag erteilt
hatten, machte dieses sich sofort auf den Weg. Allerdings war es nicht besonders
schnell, trödelte und verbrauchte viel Zeit mit Fressen. Da wurden die Götter
ärgerlich und beauftragten einen Vogel. In seiner Botschaft stand jetzt jedoch
die Sterblichkeit des Menschen. Die Menschen bekamen die Botschaft und glauben
dem später eintreffenden Chamäleon kein Wort über die Unsterblichkeit mehr. Die
einen sagen, wäre das Chamäleon schneller gewesen, wären die Menschen jetzt
unsterblich. Daher hassen viele Ureinwohner Afrikas das Tier. Allerdings gibt es
auch Stämme, die dem Chamäleon verzeihen, da es sowieso ein langsames Tier ist.
werden Chamäleons erkrankten Menschen auf den Kopf gesetzt und dann abgewartet,
wie der Patient reagiert. Aus den Reaktionen wird dann die Diagnose erstellt.
Einen weiteren Heilungserfolg verspricht man sich aus getrockneten Chamäleons,
welche zu Pulver verrieben mittels einer Suppe eingenommen werden, die
Heilungschancen sind jedoch gering und die medizinische Wirkung ist umstritten.
Chamäleons aus dem Weg, weil sie Unglück fürchten. Ein weiterer Mythos besagt,
dass Frauen keine Chamäleons anschauen sollten, da sie sonst niemand heiraten
wird.
Systematik
Die Einteilung der Chamäleons in die zwei Unterfamilien Echte Chamäleons (Chamaeleoninae) und Unechte bzw. Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae) ist allgemein anerkannt, allerdings ist die Zuordnung einiger Gattungen umstritten. So kommen Conrad A. Matthee, Colin R. Tilbury und Ted Townsend in einem 2004 veröffentlichten Artikel über eine eingehende molekularbiologische Analyse von Proben aus 83 Individuen der Gattung Rhampholeon und deren Vergleich unter anderem zu dem Schluss, dass die Stellung der Gattungen Rhampholeon und Rieppeleon innerhalb der Chamaeleonidae geändert werden sollte, da sich in den Untersuchungen eine Zuordnung zur Unterfamilie der Chamaeleoninae herausgestellt hat. Als weitere Konsequenz daraus würde die Unterfamilie der Brookesiinae nur noch die Gattung Brookesia umfassen.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Chamäleons aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Infos über die Kornnattern
Die Kornnatter (Pantherophis guttatus) ist eine ungiftige Natter aus Nordamerika. Mit einer typischen Körperlänge von 120 bis 150 cm zählt sie zu den mittelgroßen Arten innerhalb der Gattung der Kletternattern. Sie ernährt sich als dämmerungs- und nachtaktiver Lauerjäger von kleinen Säugern, Amphibien, Reptilien und Vögeln. Aufgrund ihres großen Verbreitungsgebietes, welches sich über weite Teile der östlichen USA erstreckt, ist die Art in ihrer Erscheinung sehr variabel.
- Systematik
- Klasse: Reptilien (Reptilia)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Nattern (Colubridae)
- Gattung: Kletternattern (Pantherophis)
- Art: Kornnatter
- Wissenschaftlicher Name
- Pantherophis guttatus
- Linnaeus, 1766
Beschreibung
Erwachsene Kornnattern erreichen eine Körperlänge von 120 cm bis 150 cm, in Ausnahmefällen auch über 180 cm (der beschriebene Rekord liegt bei 189 cm). Die Kornnatter gehört damit zu den mittelgroßen Nattern innerhalb der Gattung Pantherophis. Das Gewicht einer adulten Kornnatter kann abhängig von Jahreszeit und Ernährungszustand erheblich schwanken und reicht von 200 g bei jungen, geschlechtsreifen Tieren bis zu über 800 g bei sehr großen und gut genährten Individuen. Weibliche Tiere erreichen im Regelfall eine größere Körperlänge als Männchen, die Geschlechtsunterscheidung anhand äusserer Merkmale ist nur schwer möglich. Auskunft über das Geschlecht können dabei die sich beim Männchen durch das Vorhandensein von Hemipenistaschen langsamer verjüngende Schwanzpartie sowie das Vorhandensein einer geringeren Anzahl von Subcaudalia beim Weibchen im direkten Vergleich geben.
Der Körperbau der Kornnatter ist im Allgemeinen schlank, der Kopf ist nur leicht abgesetzt. Die Augen sind groß und nahezu unbeweglich, die große, runde Pupille wird von einem braunen Irisring eingeschlossen. Das 4. und 5., alternativ auch das 5. und 6. der 8–9 Oberlippenschilder (Supralabialia) stehen in Kontakt mit dem Auge, welches von einer Präoculare, zwei Postocularia und einer großen Supraoculare umgeben ist. Die Anzahl der 203–245 Ventralia und der 47–84 Subcaudalia unterliegt innerhalb des großen Verbreitungsgebietes einer Nord-Süd-Steigerung. Der Analschild ist geteilt. Die Kiefer sind mit einer Reihe kleiner, nach hinten gerichteter Zähne besetzt, welche bei Verlust nachgebildet werden.
In Färbung und Zeichnung ist die Kornnatter durch ihr großes Verbreitungsgebiet sehr variabel, die Grundfarbe reicht von einem matten Grau bis zu einem starken Braun-Orange. Die 34–47 rechteckigen, mehr oder weniger stark schwarz eingefassten Körper- und Schwanzflecken („Sattelflecken“) weisen zumeist eine orange bis rötlich-braune Färbung auf und sind in ihrer Form und Anzahl ein wichtiges Merkmal zur Abgrenzung der Kornnatter von der ihr sehr ähnlichen Prärie-Kornnatter (Pantherophis emoryi). Auch in der Intensität der Färbung lässt sich bei Pantherophis guttatus
eine Veränderung entlang der Nord-Süd-Linie des Verbreitungsgebietes beobachten,
wobei sich die eher kontrastarm grau-braun gefärbten Individuen aus nördlichen
Populationen deutlich von ihren rötlicheren, kontrast- und farbintensiveren
Artgenossen aus dem Süden unterscheiden. Die helle Bauchseite zeichnet sich durch ein für die Kornnatter typisches „Schachbrettmuster“ aus, welches aus sich abwechselnden, hellen und braun-schwarzen, rechteckigen Schuppen besteht. Die Kopfoberseite ziert ein variables Ornament, welches am Hals in den ersten Sattelfleck überläuft.
Lebensraum und Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Kornnatter erstreckt sich entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten vom Bundesstaat New York bis in die Florida Keys. Die westlichsten Populationen von Pantherophis guttatus finden sich in den Bundesstaaten Mississippi, Louisiana und Tennessee, wo das Verbreitungsgebiet an die Habitate der Slowinski’s Kornnatter (Pantherophis slowinskii) und der Prärie-Kornnatter (Pantherophis emoryi) grenzt.
Bedingt durch das große Verbreitungsgebiet bewohnt die Kornnatter unterschiedlichste Lebensräume, die sich zum Teil erheblich in ihrer geographischen Beschaffenheit und dem Lokalklima unterschieden. So reicht ihr Lebensraum von Habitaten auf Seehöhe bis hinauf in höhere Lagen von über 750 m. In den unterschiedlichen Zonen ihres Verbreitungsgebietes bewohnt die Kornnatter sowohl sommerfeuchte Laub- und Nadelwälder, Busch- und Graslandareale als auch Feuchtgebiete, als Kulturfolger ist sie darüber hinaus häufig in der Nähe menschlicher Siedlungen zu finden.
Lebensweise
Verhalten
Kornnattern gelten im Allgemeinen als nacht- und dämmerungsaktive Tiere, können aber teilweise auch tagsüber an exponierten Stellen beim Sonnenbad beobachtet werden. Die Suche nach geeigneten Beutetieren findet zumeist nachts oder in der Dämmerung statt. Den Großteil ihres Lebens verbringt die Kornnatter verborgen unter Laubstreu, Rindenmulch,
Felsen sowie in hohlen Baumstämmen und Höhlen. Kornnattern sind ausgesprochen gute Kletterer und sind somit auch in Bäumen anzutreffen, wo sie Vögel erbeuten oder deren Nester plündern – Wasser wird, obwohl die Tiere gute Schwimmer sind, weitestgehend gemieden. Auf Bedrohung reagieren Kornnattern zumeist mit Flucht, nur selten kann das typische Abwehrverhalten beobachtet werden – dabei richtet die Schlange ihr vorderes Körperdrittel in einer für viele Schlangenarten typischen S-Haltung auf und schnellt daraus bei anhaltender Bedrohung blitzschnell vor, um Abwehrbisse auszuführen. Besonders bei jungen Kornnattern kann in Stresssituationen auch ein deutliches Vibrieren mit der Schwanzspitze beobachtet werden, welches vermutlich dazu dient, in trockenem Laub ein einschüchterndes, rasselndes Geräusch zu erzeugen. In großen Teilen des Verbreitungsgebietes begeben sich Kornnattern in der kühleren Jahreszeit in eine mehr oder weniger ausgedehnte Winterruhe. Zu diesem Zweck versammeln sich oft hunderte Exemplare an geeigneten Stellen um gemeinsam zu überwintern. Diese Ruheperiode dauert je nach lokalem Klima bis zu 4 Monate, in denen die Tiere weder Nahrung noch Wasser zu sich nehmen.
Ernährungsweise
Als dämmerungs- und nachtaktiver Lauerjäger ernährt sich die Kornnatter von einem breiten Nahrungsspektrum, welches vorwiegend aus kleinen Säugetieren (Mäuse, Ratten), Reptilien (z. B.: Anolis) und Amphibien besteht, auch Vögel werden mitunter erbeutet. Darüber hinaus ist bekannt, dass die sehr kletterfreudigen Kornnattern auch Vogelnester plündern und die darin enthaltenen Eier und Jungvögel verspeisen. Die Kornnatter verfügt zum Beutefang über keinerlei Gift und tötet ihre Beute deshalb durch Erwürgen. Zu diesem Zweck schlingt sie ihren sehr muskulösen Körper mehrmals um das mit den Kiefern fixierte Beutetier und erhöht damit den Druck auf die inneren Organe ihres Opfers so lange, bis der Tod eintritt. Dem eigentlichen Schlingakt voraus geht zumeist eine kurze Ruhepause, ehe die erlegte Beute – zumeist mit dem Kopf voran – durch Bewegungen der äußerst flexiblen Kieferhälften und unterstützt von windenden Muskelbewegungen des vorderen Körperdrittels im Ganzen verschlungen wird.
Sinnesleistungen
Die Kornnatter nimmt ihre Umgebung hauptsächlich durch das am Gaumendach liegende vomeronasale Organ wahr, welches dazu dient, die mit der gespaltenen Zunge aufgenommenen Geruchspartikel der Umgebungsluft zu analysieren und deren Ursprünge genau zu orten. Durch die Spaltung der Zunge ist die Schlange fähig, sich anhand der olfaktorisch wahrgenommenen Informationen auch räumlich zu orientieren. Der Gesichtssinn der Kornnatter ermöglicht ihr ein scharfes, binokulares Sehen auch auf längere Distanz (bis hin zum 5-fachen ihrer eigenen Körperlänge). Wie bei vielen Schlangen ist das Gehör der Kornnatter unterentwickelt und die Schlange deshalb weitgehend taub, das gut entwickelte Innenohr ermöglicht dem Tier aber die Wahrnehmungen von Schwingungen wie Schallwellen und Bodenvibrationen.
Fortpflanzung, Entwicklung und Geschlechtsreife
Die Paarungszeit der Kornnatter beginnt mit dem Abschluss der ersten Häutung nach der Winterruhe (vereinzelt bei männlichen Exemplaren auch schon früher) im Frühjahr. Männliche Tiere zeigen zu dieser Zeit eine erhöhte Aktivität und durchstreifen unermüdlich das Gebiet auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen. Treffen zwei Männchen dabei aufeinander kommt es häufig zu unblutigen Ritualkämpfen, bei denen sich die Tiere umschlingen und versuchen, den Konkurrenten niederzudrücken. Weibchen signalisieren ihre Paarungsbereitschaft durch das vermehrte Abgeben von Pheromonen. Der Paarung voraus geht zumeist ein ausgedehntes Balzritual, bei dem das Männchen das paarungsbereite Weibchen verfolgt und versucht, auf dessen Rücken zu gelangen. Die Paarung selbst geschieht durch das Einführen eines der beiden stachelbesetzten Hemipenes in die Kloake des Weibchens und dauert im Regelfall 10–30 Minuten. Nach einer sehr variablen Trächtigkeitsdauer von 30 bis 70 Tagen legt das Weibchen gewöhnlich zwischen April und Juni ihre 8 bis 20 weichschaligen Eier an einem dafür geeigneten Ort (z. B. unter Baumstümpfen oder Felsen) ab und verlässt danach das Gelege. Ein Brutpflegeverhalten bei Kornnattern ist nicht bekannt. Die 20–30 cm langen und unter 10 g schweren Jungschlangen schlüpfen in Abhängigkeit von der Inkubationstemperatur nach ungefähr 60 bis 80 Tagen aus den Eiern, indem sie die lederartige Kalkschale mit ihrem Eizahn eröffnen. Bis zu ihrer ersten Häutung ungefähr 1 bis 2 Wochen nach dem Schlupf ernähren sich die Neonaten von den Resten des vor dem Ausschlüpfen in die Bauchhöhle zurückgezogenen Dottersacks, danach erbeuten sie selbstständig ihre erste Nahrung, zumeist in Form von kleinen Amphibien und Reptilien, seltener auch jungen Säugetieren oder Wirbellosen. In den ersten drei Lebensjahren wachsen Kornnattern recht zügig und sind beim Erreichen der Geschlechtsreife im Alter von ungefähr 3 Jahren (unter optimalen Ernährungsbedingungen kann die Geschlechtsreife auch schon erheblich früher, teilweise in einem Alter von erst 9 Monaten eintreten) bereits zwischen 100 und 120 cm lang. Während der Wachstumsphase unterliegen Färbung und Zeichnung des Individuums einem deutlichen Wandel vom weitgehend grau−braunen Jugendkleid zur häufig intensiv rot und orange leuchtenden Farbe der adulten Kornnatter. In Gefangenschaft erreichen Kornnattern ein Alter von über 20 Jahren, über die Lebenserwartung im Freiland ist nur wenig bekannt, allerdings dürfte diese deutlich unter dem in Menschenhand erreichten Höchstalter liegen.
Systematik
und Namensherkunft
Beschreibungsgeschichte
Die Erstbeschreibung der Kornnatter erfolgte bereits 1766 durch Carl von Linné unter dem Taxon Coluber guttatus, sie gehörte damals zu den ersten wissenschaftlich beschriebenen Schlangenarten Nordamerikas. Erst beinahe ein Jahrhundert später wurde diese Klassifizierung durch Leopold Fitzinger revidiert und die Kornnatter somit 1843 unter dem heute wieder gültigen Namen Pantherophis guttatus weitergeführt, ehe sie 1985 – nach zahlreichen Neubeschreibungen – von G. Stebbins unter dem Taxon Elaphe guttata in die umfassende Gattung der Kletternattern (Elaphe, Fitzinger 1833) gestellt wurde, in welcher sowohl Alt- als auch Neuwelt-Colubriden beschrieben wurden.
Moderne Systematik
In eingehenden wissenschaftlichen Untersuchungen zur Monophylie der Gattung Elaphe stellten Helfenberger, Utiger et al. (2002) und Utiger
et al. (2005) anhand von DNA-Analysen und Untersuchungen am Aufbau der Hemipenes deutliche Abweichungen innerhalb der Gattung fest, woraufhin diese revidiert und in 13 Gattungen aufgespalten wurde. Seither wird die Kornnatter gemeinsam mit neun ihr nahe verwandten Spezies der wiedereingeführten Gattung Pantherophis, Fitzinger 1843 zugeordnet. Im Zuge dieser Überarbeitung verloren auch die vier bislang beschriebenen Unterarten der Kornnatter (Elaphe guttata gutatta, E. g. rosacea, E.g. meahllmorum und E.g. emoryi) ihre Gültigkeit und wurden in verschiedene Arten eingegliedert, sodass zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Unterarten von Pantherophis guttatus anerkannt werden (Stand 2007).
Namensherkunft
Die wissenschaftliche Bezeichnung der Gattung Pantherophis setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern „panthera“ (dt. „Leopard“) und „ophis“ (dt. „Schlange“). Der Artname „guttatus“ hingegen stammt aus dem Latein und bedeutet übersetzt „gesprenkelt“. Die Herkunft ihres am häufigsten verwendeten englischen Trivialnamen „Corn Snake“ (dt. „Maisschlange“ bzw. „Kornschlange“) lässt Raum für zwei Erklärungen: Eine Variante ist der Lebensraum der Kornnatter, die mit Vorliebe auf Getreidefeldern und in Kornspeichern den dort häufig anzutreffenden Nagetieren auflauert. Eine weitere Erklärung liefert der bunte Indianermais (engl. „Indian Corn“), dessen Kolben Ähnlichkeit mit der Bauchzeichnung der Kornnatter aufweist.
Die Kornnatter und der Mensch
Als Kulturfolger hält sich die Kornnatter gerne in der Nähe menschlicher Siedlungen auf, um auf Kornfeldern und in Kornspeichern ihren Beutetieren aufzulauern. Diese Nähe zum Menschen in Verbindung mit ihrem sehr ruhigen Temperament und den einfach herzustellenden Haltungsbedingungen machte die Kornnatter schon sehr früh zu einem beliebten Terrarienpflegling. Aus den zahlreichen, auch in der Natur immer wieder vorkommenden Farbmutanten und Lokalformen züchtete der Mensch im Laufe weniger Jahrzehnte eine Vielzahl unterschiedlicher Farbvarietäten, die sich ungebrochener Beliebtheit bei Heimtierhaltern aus aller Welt erfreuen.
Gefährdung und Schutzstatus
Die Kornnatter wird von der IUCN als „nicht gefährdet“ (Least Concern) geführt, da sowohl ihr Lebensraum als auch die Stabilität der einzelnen Populationen bis auf Weiteres gesichert und gut dokumentiert sind.
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Allge. Infos über Leopardgecko´s
Die Leopardgeckos (Eublepharis) sind eine Gattung aus der Familie der Lidgeckos (Eublepharidae). Sie sind nachtaktive bodenbewohnende Geckos, welche hauptsächlich in den Steppen von Pakistan, Nordwestindien und Afghanistan gefunden werden. Die Herkunft ihres Gattungsnamens Eublepharis stammt vom griechischen ‘eu’ für “wahr”, ‘blephar’ für “Augenlid”.
Der Leopardgecko erhielt seinen Namen von seiner Färbung, welche er als Alttier bekommt – eine gewöhnlich crémige oder gelbe Basisfarbe mit schwarzen Flecken.
- Systematik
- Klasse: Reptilien (Reptilia)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Geckoartige (Gekkota)
- Familie: Lidgeckos (Eublepharidae)
- Gattung: Leopardgeckos
- Wissenschaftlicher Name
- Eublepharis
- Gray, 1842
Leopardgeckos gehören zusammen mit einigen wenigen Altweltgeckos zu der sehr kleinen Gruppe von Geckos, die Augenlider besitzen. Dies hilft dem Tier, in seiner sandigen Umgebung die Augen sauber zu halten. Ein anderer interessanter Unterschied ist, dass Leopardengeckos keine Haftlamellen an den Füßen besitzen, sondern Krallen. Deshalb können sie keine Glasscheiben hinaufklettern. Wie alle Geckos können sie ihre Schwänze abwerfen, wenn sie plötzlich erschreckt werden und flüchten müssen; es wächst aber ein neuer Schwanz nach. Das Schwanzregenerat ist farblich aber monoton und rübenartig geformt.
In seiner natürlichen Umgebung lebt der Leopardgecko unter Steinen oder kleinen Höhlen, um extremen Temperaturen zu entgehen. Wie andere Bewohner von Steppen ist er nachtaktiv und jagt Insekten, Skorpione, Spinnen und sogar kleine Nagetiere.
Leopardgeckos zeigen nur einen sehr kleinen Sexualdimorphismus – die Männchen bringen etwas mehr Gewicht auf die Waage als Weibchen. Männchen besitzen eine V-förmige Reihe von präanalen Poren und paarige Hemipenistaschen,welche als Verdickungen am Schwanzansatz deutlich sichtbar sind. Das Geschlecht wird erst während der Brutzeit bestimmt und ist teilweise abhängig von der Inkubationstemperatur. Junge Leopardgeckos können geschlechtlich noch nicht unterschieden werden.
Arten und Verbreitung
Eublepharis angramainyu
Eublepharis angramainyu (Anderson & Leviton, 1966) kommt im Norden Syriens, im Norden des Irak und im Westen des Iran vor. Die Tiere weisen eine braune Fleckenzeichnung auf gelbem bis ockerfarbenem Grund auf, die im Bereich des Kopfes zu Linien verschmelzen können. Im Bereich des Körpers lassen sich drei bis vier dunklere Bänder ausmachen. Die Bereiche zwischen den Bändern sind, wie auch die Bänder selber, braun gefleckt.
Eublepharis fuscus
Eublepharis fuscus (Börner, 1981)
Eublepharis hardwickii
Eublepharis hardwickii (Gray, 1827) kommt an der nordöstlichen Küste von Indien vor. Die Tiere unterscheiden sich in Bezug auf die Zeichnung und ihre Beschuppung deutlich von den anderen Vertretern der Gattung Eublepharis. Die Tiere weisen auf braunem bis dunkelbraunem Grund drei deutlich abgesetzte helle Querbänder auf. Die Zwischenräume sind einfarbig. Die Tiere ähneln in ihrer Jugendfärbung den übrigen Arten. Die dorsalen Tuberkelschuppen von E. hardwickii berühren sich, im Gegensatz zu allen anderen Arten dieser Gattung. Ebenfalls einzigartig innerhalb der Gattung Eublepharis ist die bereits adulte Färbung nach dem Schlüpfen aus dem Ei. Die Tuberkelschuppen sind allgemein flacher als bei den anderen Arten.
Eublepharis macularius
Eublepharis macularius (Blyth, 1854) kommt im Nordwesten Indiens, in großen Teilen Zentralpakistans und im Südosten Afghanistans vor. Beschuppung und Zeichnung ähneln wesentlich den Merkmalen von E. angramainyu, einzig die Kopfzeichnung weist immer einzelne Flecken, niemals Linien auf. E. macularius wird sehr häufig in Gefangenschaft gehalten und ist normalerweise gemeint, wenn man vom Leopardgecko spricht. Außerdem unterscheidet man beim Eublepharis macularius folgende Unterarten welche meist geringfügige Unterschiede bezüglich der Zeichnung aufweisen:
- Eublepharis macularius macularius
- Eublepharis macularius afghanicus
- Eublepharis macularius fasciolatus
- Eublepharis macularius fuscus
- Eublepharis macularius montanus
- Eublepharis macularius smithi
Eublepharis turcmenicus
Eublepharis turcmenicus (Darevsky, 1977) hat sein relativ kleines Verbreitungsgebiet im Süden Turkmenistans im Grenzgebiet zum Iran und zu Afghanistan. Körperbau und Färbung ähnelt sehr E. angramainyu, einziges deutlich sichtbares Unterscheidungsmerkmal sind die hier durch mehrere Schuppen getrennten Präanalporen der Männchen.
Farbvariationen
Durch die Selektion bei der Züchtung können Farben und Muster beeinflusst werden. So ist es auch beim Leopardgecko in Mode gekommen bestimmte Farbvariationen und Muster zu züchten. Diese beschränken sich dabei auf die Körperoberseite, währenddessen der Bauch immer hellgrau bis weiß und der Schwanz meist rundum gezeichnet ist. Die Namen der Farbvariationen werden von der jeweiligen Farbe abgeleitet, wobei hier immer das adulte Tier gemeint ist. So besitzt z.B. die Variation Albino keine schwarzen Farbpigemente. Leopardgeckos mit bestimmten Färbungen sind entsprechend selten und sind deshalb beliebte aber auch kostspielige Showtiere.
Terrarienhaltung
Leopardgeckos benötigen als Nahrung Lebendfutter (Heimchen, Grillen, Mehlwürmer, Heuschrecken, Schaben u.s.w) und ein Terrarium. Es wird empfohlen, mindestens zwei Weibchen zusammen mit einem Männchen zu halten. Die Terrariengröße für drei Tiere sollte 80 x 45 x 30 cm nicht unterschreiten. Erfahrungsgemäß ist ein Terrarium von 80 x 60 x 30 cm optimal. Da die Leopardgeckos nachtaktiv sind, kann auf eine UV-Lampe verzichtet werden.
Diese Angaben ersetzen keinesfalls das Studium von Fachliteratur.
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Infos über den Kronengecko
Der Neukaledonische Kronengecko (Rhacodactylus ciliatus), gehört zu der Familie der Doppelfingergeckos und wurde nur am südlichen Ende der Insel Neukaledonien gefunden. Er kommt ausschließlich dort und auf der vorgelagerten Île des Pins vor und ist somit endemisch. Die Geckos sind arboricol und bewohnen das Blätterdach der Bäume in feucht-heißen und dicht bewachsenen Tieflandregenwäldern. Obwohl der natürliche Lebensraum der Kronengeckos durch permanente Umweltzerstörung immer weiter zurückgeht, unterliegt er keinem internationalen Schutzstatus.
- Systematik
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Geckoartige (Gekkota)
- Familie: Doppelfingergeckos (Diplodactyliniae)
- Gattung: Lappenfinger (Rhacodactylus)
- Art: Kronengecko
- Wissenschaftlicher Name
- Rhacodactylus ciliatus
- (Guichenot, 1866)
Diese Art galt bis 1994 verschollen, wurde aber von einem Team von Biologen wiederentdeckt. Die Kronengeckos wurden als erstes von Guichenot 1866 beschrieben.
Der Kronengecko ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Gecko und weniger scheu als andere Arten der Gattung Rhacodactylus. Seine Aktivitätszeit beginnt bei Dämmerung und endet in den frühen Morgenstunden. Im Gegensatz zu allen anderen Arten seiner Gattung ruht der Kronengecko nicht in Astlöchern sondern auf den Zweigen der Bäume. Zum schlafen rollt er sich dort ein. Rhacodactylus ciliatus ist ein sehr geschickter Kletterer. Dabei behilflich sind ihm seine Haftlamellen und Krallen sowie sein Schwanz, der als zusätzliches Greiforgan und zum Halten des Gleichgewichts dient. Die Tiere besitzen eine Sollbruchstelle am Schwanz und sind somit in der Lage, diesen bei Gefahr abzuwerfen. Es bildet sich beim Kronengecko jedoch meist kein vollständiges Regenerat. Der Verlust des Schwanzes ist aber für die Tiere nicht von Bedeutung, da wildgefangene Exemplare auch alle ohne Schwanz gefunden wurden.
Farbformen
Von Kronengeckos wurden mehrere natürliche Farbformen gefunden: Grau, Braun, Grün, Blassgelb, Rostrot. Auch gibt es Tiere mit der Farbbezeichnung: Unicolor, Bicolor, Fire, Tiger, Harlequin, Black Spotted, Painted Thigh usw. benutzt.
Die Verbreitung der Farbformen ist nicht geographisch und Tiere von derselben Eiablage zeigen oft verschiedene Farbformen.
Pflege im Terrarium
Der Export wilder Kronengeckos ist strikt verboten. Bevor diese Regelung in Kraft trat, haben Biologen (auch später durften Biologen mit Sondergenehmigungen einige Tiere exportieren) und Forscher einige Tiere exportiert um diese Art zu untersuchen und zu züchten. Schnell hat es der Kronengecko in heimische Terrarien geschafft, denn er gehört mit zu den meist gehaltenen und gezüchteten Arten der Welt. Im Terrarium fressen diese Geckos Insekten wie z.B. Heimchen. Sie akzeptieren außerdem Fruchtbrei und Babynahrung. Eine Wasserschale sollte im Terrarium vorhanden sein. Das Terrarium sollte, für 1,2 (d.h. “für nicht Fachkundige” ein Männchen und zwei Weibchen), mindestens eine Größe von 60x60x100 (LxBxH) haben. Die Temperaturen sollten in etwa bei Raumtemperatur liegen, 27° Celsius sollten dabei nicht überschritten werden. Die Luftfeuchtigkeit liegt optimalerweise bei etwa 70-80%.
Kronengeckos erreichen ein hohes Alter. Da diese Tiere erst wieder entdeckt wurden, ist ein genaues Alter nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass die Tiere ein Alter von 20-25 Jahre erreichen werden.
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Information über Blauer Baumsteiger
Der Blaue oder auch Azurblaue Baumsteiger wird nach neuen Untersuchungen als eine Farbvariante des Färberfrosches (Dendrobates tinctorius) angesehen und demnach nicht mehr, wie lange Zeit üblich, als eine eigene Art (Dendrobates azureus Hoogmoed, 1969) behandelt.
- Systematik
- Klasse: Lurche (Amphibia)
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
- Gattung: Baumsteiger (Dendrobates)
- Art: Färberfrosch (Dendrobates tinctorius)
- ohne Rang: Blauer Baumsteiger
- Wissenschaftlicher Name
- Dendrobates tinctorius (azureus)
- (Cuvier, 1797)
Vorkommen
Der Blaue Baumsteiger kommt nur in einem kleinen Gebiet im Länderdreieck Brasilien, Französisch-Guayana und Surinam in der Sipaliwinisavanne vor und lebt zumeist auf dem Boden des tropischen Regenwaldes. Er bewohnt dort die Laubschicht und ernährt sich von kleinen Insekten. Der Bestand des Frosches ist wegen des kleinen Verbreitungsgebietes gefährdet. Sein Territorium wird ebenfalls durch Jäger gefährdet, die das Gebiet abroden um Wild aufzujagen. Die Trio-Indianer, die in der Sipaliwinisavanne ansässig sind, nennen den Frosch „Okopipi“.
Aussehen
Der tagaktive Frosch wird bis zu 50 Millimeter groß, wobei die Männchen etwas kleiner bleiben und die Weibchen etwas fülliger sind. Er besitzt eine kräftig-blaue Grundfärbung mit schwarzen Punkten.
Fortpflanzung
Nach der Eiablage, die gewöhnlich in Höhlen oder an Kleinstgewässern am Boden erfolgt, werden die fünf bis zehn Eier vom Männchen befruchtet. Nach dem Schlupf der Kaulquappen, der im Regelfalle nach 12 bis 16 Tagen erfolgt, werden sie von beiden Eltern in Kleinstgewässer (Pfützen, Blattachseln etc.) getragen. Die Entwicklung der Larven bis zum erwachsenen Frosch ist nach 80 bis 100 Tagen abgeschlossen.
Gift
Der Blaue Baumsteiger sondert über Hautdrüsen Gifte ab, die vor Pilz- und Bakterienbefall schützen. Darüber hinaus schützt das Gift vor Fressfeinden, die auch schon durch die leuchtenden Farben des Frosches abgeschreckt werden. Er wird aufgrund dieser Eigenschaft zu den Pfeilgiftfröschen gezählt, jedoch ist der Blaue Baumsteiger im Vergleich zu Arten wie Phyllobates terribilis nur schwach giftig.
Terrarienhaltung
Der Blaue Baumsteiger ist neben vielen anderen Vertretern der Pfeilgiftfrösche ein beliebtes Terrarientier. Er hat sich in den letzten Jahren zu einem recht häufig nachgezüchteten Baumsteigerfrosch entwickelt.
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Allgemeine Informationen zum Rosenkäfer
Die Rosenkäfer (Cetoniidae) sind eine Familie der Käfer, innerhalb der Überfamilie der Scarabaeoidea. Sie wurden früher als Unterfamilie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) geführt.
- Systematik
- Klasse: Insekten (Insecta)
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Unterordnung: Polyphaga
- Überfamilie: Scarabaeoidea
- Familie: Rosenkäfer
- Wissenschaftlicher Name
- Cetoniidae
Merkmale
Alle Rosenkäfer sind durch entsprechende Einbuchtungen am Rand der Elytren zum Fliegen mit geschlossenen Flügeldecken befähigt. Dazu heben die Käfer die Elytren zum Ausklappen ihrer Flügel kurz an, um diese noch vor dem Abflug wieder zu schließen.
Systematik
Weltweit umfasst die Familie der Rosenkäfer etwa 2.600 Arten. Einige der bekanntesten Vertreter gehören zu der in Afrika beheimateten Gattung Pachnoda. In Europa sind knapp 90 Arten und Unterarten vertreten, die in drei Unterfamilien mit insgesamt 11 Gattungen eingeteilt werden.
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Europäische Gottesanbeterin
Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Vertreterin der Ordnung der Fangschrecken (Mantodea). In Deutschland ist sie in der „Roten Liste der Geradflügler“ (Rote Liste) in die Kategorie 3 („gefährdet“) eingruppiert und genießt nach den Bestimmungen des Bundes-Naturschutz-Gesetzes (BNatSchG) in Verbindung mit der Bundes-Artenschutz-Verordnung (BArtSchV) besonderen Schutz. Deshalb darf sie u. a. weder gefangen noch gehalten werden.
- Systematik
- Klasse: Insekten (Insecta)
- Ordnung: Fangschrecken (Mantodea)
- Familie: Mantidae
- Unterfamilie: Mantinae
- Gattung: Mantis
- Art: Europäische Gottesanbeterin
- Wissenschaftlicher Name
- Mantis religiosa
- Linnaeus, 1758
Merkmale
Weibchen können bis zu 75 mm lang werden, die Männchen sind deutlich kleiner und erreichen eine Länge bis zu 60 mm. Die Grundfärbung reicht von zartgrün bis braun, auf ehemaligen Brandflächen kann man sogar fast schwarzen Individuen begegnen (Feuermelanismus). An der Basis der Innenseite der Vorderhüften befindet sich ein schwarzer, oft weiß gekernter Fleck, der in der Abwehrhaltung als augenähnliche Zeichnung gezeigt wird (Mimikry). Die unterschiedlichen Färbungsvarianten entstehen nach den einzelnen Häutungen als Anpassung an die Umgebung.
Auffallend ist der verlängerte Halsschild und der große, dreieckige, sehr bewegliche Kopf. Während die beiden hinteren Beinpaare als Schreitbeine gestaltet sind, sind die Vorderbeine zu Fangbeinen umgebildet. Femur und Tibia sind mit Dornen zum Festhalten der Beute besetzt.
Zwischen den Facettenaugen befinden sich drei Ocellen, die beim Männchen deutlicher ausgebildet sind und als Merkmal zur Geschlechtsunterscheidung herangezogen werden können.
Lebensweise
Im Mittelmeerraum besiedelt die Gottesanbeterin viele unterschiedliche Lebensräume, in Mitteleuropa ist sie dagegen auf ausgesprochene Wärmeinseln beschränkt. Die Bindung an Wärmegebiete ist bedingt durch das notwendige Beuteangebot der Larven im Frühjahr, die Eier können dagegen in Steppengebieten auch Winter mit sehr tiefen Minustemperaturen überstehen (letale Temperatur: -43°C).
Die etwa 6 mm langen Larven schlüpfen im Mai/Juni und durchlaufen bei einigen Populationen fünf bis sechs, bei anderen dagegen sechs bis sieben Larvenstadien (die geringere Stadienzahl gilt für männliche, die höhere für weibliche Individuen). Gegen Ende Juli/Anfang August erscheinen die ersten erwachsenen Tiere (Imagines). Etwa 14 Tage nach der Imaginalhäutung werden die Tiere geschlechtsreif. Wie auch bei anderen Fangschreckenarten kommt es gelegentlich vor, dass das Weibchen von Mantis religiosa vor, während oder nach der Paarung das Männchen auffrisst. Dies konnte unter anderem durch Freilandstudien bestätigt werden. Während die Männchen mancher Mantodeen-Arten einen ausgeprägten Balztanz ausführen, um vom Weibchen nicht als Beute angesehen zu werden, konnte ein derartiges Verhalten bei Mantis religiosa bisher nicht festgestellt werden.
Einige Tage nach der Begattung schreiten die Weibchen zur Eiablage. Die Eier werden nicht einzeln, sondern immer zu mehreren in einer sogenannten Oothek abgelegt; dabei handelt es sich um ein Gelege in einer schnell erhärtenden Schaummasse, das in der Regel 100-200 Eier enthält. Im Herbst verenden die erwachsenen Tiere, während die Eier mit den Embryonen in den durch ihre spongiöse Schutzhülle ausgezeichnet isolierten Ootheken überwintern.
Verbreitung
Ursprünglich stammt die Art aus Afrika, hat sich aber in der Alten Welt über den gesamten Mittelmeerraum und große Teile Asiens östlich bis nach Japan und bis zu den großen Sundainseln ausgebreitet. In nord-südlicher Richtung reicht ihr Verbreitungsgebiet vom südlichen Westsibirien bis zum Kap der guten Hoffnung. Durch Verschleppung ist sie inzwischen auch in der Neuen Welt vertreten, und zwar auf dem Nordamerikanischen Kontinent (in weiten Teilen der östlichen USA und im südlichen Kanada). Sie fehlt – trotz manchen anderslautenden Angaben in der Literatur – in Südamerika und Australien. Die nördlichsten Vorkommen überschreiten östlich des Ural-Gebirges im südlichen Westsibirien bei Tscheljabinsk den 54., bei Omsk sogar den 55. Breitengrad und westlich des Urals in Osteuropa den 53. Grad n. Br. In Mitteleuropa reicht die Verbreitung der Gottesanbeterin – abgesehen von der Exklave Berlin-Schöneberg (52.48N-13.37E) – lediglich bis zum 51. Breitengrad (südöstliches Polen: Hochfläche von Lublin). Während Mantis religiosa auf der Nordhalbkugel südlich des 46. Breitengrades (46° n. Br.) an geeigneten Örtlichkeiten fast überall vorkommt, ist sie nördlich dieser Linie nur vereinzelt in klimatisch begünstigten Gegenden zu finden. Ein Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland ist der südliche Oberrhein mit dem Isteiner Klotz und dem Kaiserstuhl, weitere Populationen sind aus Rheinland-Pfalz (Bienwaldgebiet und Raum Trier) bekannt. Einzelne Fundmeldungen gibt es ferner aus dem Saarland und aus Bayern (Fränkische Schweiz) sowie seit kurzem auch wieder aus Hessen, nachdem die Gottesanbeterin dort lange Zeit als ausgestorben galt. Aus Hessen und Bayern fehlen aber bisher eindeutige Hinweise auf Reproduktion (Nachweise von Ootheken). Dagegen ist seit 1998 auch ein Inselvorkommen im Stadtgebiet von Berlin-Schöneberg bekannt, dessen Individuen sich alljährlich erfolgreich fortpflanzen. Die zahlreichen neueren Fundmeldungen beweisen, dass Mantis religiosa
etwa seit Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ihr Verbreitungsareal in
Mitteleuropa deutlich vergrößert hat und auch weiterhin in allmählicher
Ausbreitung begriffen ist.
Synonyme
Dialektbezeichnungen sind beispielsweise das LesHanl in der Thermenregion in Niederösterreich, wo auch die Weinsorte Neuburger, speziell in Pfaffstätten diesen Namen trägt.In Südtirol wird das Tier als Maringgele bezeichnet.
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Allgemeine Informationen über Ameisen
Ameisen (Formicidae) gehören zu den staatenbildenden Insekten und stellen eine Familie innerhalb der Hautflügler (Hymenoptera) dar.
- Systematik
- Klasse: Insekten (Insecta)
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
- Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
- Überfamilie: Vespoidea
- Familie: Ameisen
- Wissenschaftlicher Name
- Formicidae
- Latreille, 1802
Allgemeine Informationen
Rund 12.500 Arten sind bekannt, davon 180 in Europa. Zu den bekanntesten in Deutschland vorkommenden Arten gehören die Rote Waldameise und die Schwarze Wegameise. Ameisen kommen in fast allen Weltregionen vor, so findet man sie auch am Polarkreis, im Hochgebirge und in der Wüste. Ausnahmen sind Island, Grönland, die Antarktis und Teile von Polynesien. Besonders zahlreich sind sie in den tropischen Urwäldern. Anhand von Fossilien ist nachgewiesen, dass es seit der frühen Kreidezeit, also seit rund 130 Millionen Jahren, Ameisen gibt.
Ein typischer Ameisenstaat besteht überwiegend aus unfruchtbaren Weibchen und kann mehrere Millionen Individuen umfassen. Daneben existieren in jeder Kolonie eine oder mehrere Königinnen, welche die reproduktive Rolle innehaben. Die geflügelten männlichen Individuen haben einzig die Aufgabe, die ebenfalls geflügelten Jungköniginnen während des Hochzeitsflugs zu begatten. Die Arbeiterinnen sind meist wesentlich kleiner als die sich fortpflanzenden Individuen und flügellos. Am Hinterleib haben sie Giftdrüsen, die bei vielen Arten in einen Giftstachel münden. Oft ist dieser jedoch zurückgebildet oder fehlt ganz. Vergleichsweise hochentwickelt ist bei Ameisen das Geruchs- und Geschmacksvermögen. Die Kommunikation mit anderen Individuen erfolgt unter anderem über Pheromone. Unter den Tieren herrscht eine Arbeitsteilung und es gibt unter anderem Brutpflegerinnen, Nestbauerinnen oder Nahrungssucherinnen. Ameisenstaaten verhalten sich benachbarten Staaten gegenüber in der Regel extrem aggressiv.
Der Begriff „Ameise“ stammt vom althochdeutschen âmeiza (die Abschneiderin).
Körperbau
Körperbau einer Arbeiterin (Pachycondyla verenae)
Ein Ameisenkörper besteht aus drei sichtbar unterteilten Segmenten, dem Kopf (Caput), dem Mesosoma (Brustsegment) und dem Metasoma (Hinterleib).
Der Kopf
Auf dem üblicherweise runden Kopf der Ameise befinden sich zwei Antennen. Diese Fühler können mit Hilfe der über 2000 Sinneszellen Luftströmungen, Temperaturschwankungen und Gerüche wahrnehmen. Sie bestehen meist bei den Weibchen aus zwölf, bei den Männchen aus 13 Segmenten und sind in der Mitte abgewinkelt, damit sich deren Spitzen leicht zur Mundöffnung führen lassen.
Die Sehorgane der Ameisen sind Facettenaugen welche wie bei allen Insekten aus Ommatidien bestehen, die jeweils aus acht Sinneszellen zusammengesetzt sind und die bei den Ameisen rotationssymmetrisch angeordnet sind. Damit können Ameisen auch die Polarisation des Lichtes wahrnehmen. Gattungen wie die Ponera aus der Unterfamilie der Ur- und Stechameisen oder Solenopsis der Knotenameisen besitzen nicht mehr als 15 bis 30 Ommatidien pro Kopfseite. Schuppenameisen hingegen besitzen bis zu 30.000 Ommatidien auf jeder Seite. In der Regel sind Ameisen selten in der Lage, mehr als Hell-Dunkel-Unterschiede zu erkennen. Es sind Ameisenarten bekannt, die über keine Sehorgane verfügen.
Die Mundwerkzeuge werden in Oberlippe (Labrum), Oberkiefer (Mandibeln), Unterkiefer (Maxillen) und Unterlippe (Labium) unterteilt. Die meistens schaufelförmigen und bezahnten Mandibeln stellen Universalwerkzeuge dar. Sie eignen sich gleichermaßen zum Zerkleinern und Transportieren fester Materialien, als auch zum Kämpfen mit Feinden.
Das Mesosoma
Das Mesosoma, bei den Ameisen auch manchmal Alitrunk genannt, besteht aus dem Brustbereich (Thorax) und dem ersten Abdominalsegment (Propodeum).
Der Thorax wird, wie bei allen anderen Insekten auch, in drei Segmente mit je einem Beinpaar untergliedert. Sie werden als Vorderbrust (Pronotum), Mittelbrust (Mesonotum) und Hinterbrust (Metanotum) bezeichnet. Das Propodeum, auch Epinotum genannt, ist, wie bei allen Taillenwespen, fest mit dem Metanotum verwachsen.
Die aus fünf Gliedern bestehenden Beine tragen am letzten dieser Glieder zwei Krallen und dazwischen einen Haftapparat. Erstere ermöglichen einen sicheren Halt beim Fortbewegen auf einem rauen Untergrund. Im Gegensatz dazu verhindert der Haftapparat ein Abrutschen an glatten Flächen. Die Vorderbeine der Ameise besitzen zudem noch eine Putzvorrichtung, mit der sie Schmutzteilchen von den Fühlern abbürsten kann.
Das Metasoma
Das Metasoma besteht aus ein bis zwei Stielchengliedern und der sich anschließenden Gaster, das manchmal fälschlicherweise auch als Abdomen bezeichnet wird. Zwischen dem Mesosoma und der Gaster gibt es entweder ein Stielchenglied (Petiolus) oder zwei Stielchenglieder (Petiolus und Postpetiolus). Dadurch entstehen Einschnürungen, die als Gelenke zwischen den Körperteilen funktionieren. Danach folgt der restliche Hinterleib (Gaster).
Das Stielchenglied
Im Gegensatz zu vielen anderen Insekten haben Ameisen ein Stielchenglied (Petiolus), das Mesosoma und die Gaster miteinander verbindet. Das Stielchenglied ist eigentlich das zweite Abdominalsegment. Bei manchen Unterfamilien ist auch das dritte Abdominalsegment zu einem Stielchenglied ausgebildet (Postpetiolus).
Anhand des Zwischengliedes in Verbindung mit der Anzahl der Hinterleibssegmente wird die Einteilung in die Unterfamilien vorgenommen:
* Stechameisen (Ponerinae): ein Zwischenglied, zusätzlich auffällige Einbuchtung zwischen dem ersten und zweiten Segment des Hinterleibs
* Drüsenameisen (Dolichoderinae): ein Zwischenglied, zusätzlich viergliedriger Hinterleib
* Schuppenameisen (Formicinae): ein Zwischenglied, zusätzlich fünfgliedriger Hinterleib
* Knotenameisen (Myrmicinae): zwei Zwischenglieder.
Das Stielchenglied ermöglicht eine starke Bewegung des Hinterleibs. Dieser kann nach unten abgebogen werden, um das gezielte Verspritzen von Wehrsekreten in Gefahrensituationen zu ermöglichen. Ameisen können ihre Substanzen bis zu einen Meter weit ausstoßen. Der Stiel kann auch samt Gaster fast senkrecht nach oben gerichtet werden. Diese Haltung wird vor allem bei der Abgabe von Duftstoffen eingenommen. Man spricht dabei vom sogenannten Sterzeln. Nicht zuletzt erleichtert die Beweglichkeit des Hinterleibs die Reinigung der hinteren Körperregionen mit den Mundwerkzeugen.
Die Gaster
Die Gaster besteht aus mehreren Segmenten – Körperhalbringe am Bauch und Rücken, die durch elastische Häute miteinander verbunden sind und dadurch ineinander geschoben werden können. Durch diesen Mechanismus kann die Gaster stark vergrößert werden.
In der Gaster, die hauptsächlich den Kropf (eine Aussackung des Nahrungsleiters, der zur Nahrungsspeicherung dient), den Magen, den Darm und die Keimdrüsen (Gonaden) enthält befinden sich auch viele der Drüsen. Der Magen liegt im vorderen Teil und ist durch ein ventilartiges Gebilde, den sogenannten Ventiltrichter, mit dem Mitteldarm verbunden. Wenn der Ventiltrichter geöffnet ist, kann Nahrungsbrei aus dem Kropf in den Mitteldarm übertreten. Nur ein relativ kleiner Teil der im Kropf gespeicherten Nahrung geht diesen Weg. Der Hauptteil wird aus dem Kropf wieder zur Mundöffnung zurückgepumpt und mit anderen Ameisen geteilt. Man spricht daher auch vom Sozialmagen.
Drüsen und Sekrete
Ameisen der Art Crematogaster scutellaris, Italien
Die meisten Drüsen gruppieren sich in den Intersegmentalhäuten des Hinterleibs zu größeren Komplexen. Diese Drüsen sind in der Regel mit einem speziell strukturierten Reservoir ausgestattet. So werden von den Sternal- und Pygidialdrüsen die unterschiedlichsten Spurdüfte (Pheromone) erzeugt, die der Kommunikation zwischen den Ameisen dienen.
Weitere Spurpheromone liefern bei Ameisen die Gift- und Dufourschen Drüsen, sowie bei der Gattung Crematogaster eine Tibialdrüse. Drüsen befinden sich außerdem innerhalb des Körpers, im Kopf, Thorax und in der Gaster. Die einzigen Drüsen, die keine Pheromone liefern, sind die in den Mundbereich führenden Futtersaftdrüsen. Die Metathorakaldrüse liefert bakterizide und fungizide Substanzen. Bei den Blattschneiderameisen enthält sie ein Mittel (meistens Phenylessigsäure oder Hydroxy-Hexansäure) zur Desinfizierung, um unerwünschte Pilze und Bakterien am Wachsen zu hindern. Bemerkenswert bei den Sekreten ist, dass die gleichen Stoffe in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Wirkungen aufweisen, wobei die gleichen Drüsen bei verschiedenen Arten jeweils unterschiedliche Stoffe bilden können. So liefert die Mandibeldrüse bei Rossameisen-Männchen ein Pheromon, das die Weibchen zum Hochzeitsflug stimuliert, während sie bei anderen Arten ein ätzendes Wehrsekret hervorbringt.
Bei vielen Pheromonen kennt man mittlerweile die chemischen Strukturen. Dabei handelt es sich meistens, wie bei der Ameisensäure, um einfache Verbindungen (z. B. Alkohole, Aldehyde, Fettsäuren oder Ester). Es gibt jedoch auch komplexere Verbindungen, wie diverse Terpenoide und Alkaloide. Die Bestimmung der Sekrete gestaltet sich schwierig, da bei vielen Drüsen nur sehr geringe Mengen an Sekret abgegeben werden. Oftmals ist auch das Mischungsverhältnis verschiedener Sekrete für eine bestimmte Wirkung wichtig. Ein Beispiel dafür ist eine Substanz der Gemeinen Rasenameise (Tetramorium caespitum), bei der zwei Pyrazine erst im Verhältnis 7:3 die gewünschte Wirkung auslösen.
Viele Ameisen, zum Beispiel die Weberameise Oecophylla longinoda, setzen Substanzen frei, die in unterschiedlichen Reichweiten wirken. So können andere Ameisen zu einer bestimmten Stelle geführt werden. Die Rasenameise entlässt bei Gefahr aus ihrer Mandibeldrüse zuerst ein sehr flüchtiges Sekret, ein Hexanal, das nach circa 20 Sekunden in einem Umkreis von circa zehn Zentimetern zu wirken beginnt. Gleichzeitig werden Artgenossen, die näher am Ort des Geschehens sind, durch 1-Hexanol gewarnt, das nur halb so weit reicht. Jene Ameisen, die am nächsten dran sind, werden durch 3-Undecanon und das am wenigsten flüchtige 2-Butyl-2-octenal angeregt, um sofort den Gegner zu attackieren.
Alle Pheromone sind ihrer Funktion sehr gut angepasst. So müssen sich Alarmpheromone schnell verflüchtigen, Spurpheromone hingegen sehr langlebig sein. Die Duftspur der Glänzendschwarzen Holzameise (Lasius fuliginosus) enthält eine Mischung aus Fettsäuren und Hexan- bis Dodecansäuren und wirkt über Wochen hinweg. Die wichtigste Funktion der Duftstoffe ist bei Ameisen ihr sogenannter Nestgeruch. Dieser Geruch ist allen Ameisen einer Kolonie eigen. So können sie verschiedene Staaten der gleichen Art anhand ihrer „Duftuniformen“ unterscheiden.
Einige Drüsen befinden sich am Stachel; mit einem Stich werden je nach Art verschiedene Gifte freigesetzt. Der Stachel wurde im Laufe der Evolution bei vielen Ameisenarten zurückgebildet, allerdings haben alle Ameisenarten diese Gift- und Dufourschen Drüsen behalten. Die Giftdrüse der Roten Waldameise kann bis zu 6 mm³ unterschiedlichster Gifte, darunter 60%-ige Ameisensäure, enthalten. Die Dämpfe der Ameisensäure wirken bei kleinen Tieren wie ein Atemgift und können auch tödlich sein.
Geschlechtsorgane
Ameisen sind getrenntgeschlechtlich. Die Männchen besitzen zwei Hoden und zwei Samenleiter in der Gaster. Auch die paarig vorhandenen Eierstöcke (Ovarien) der Weibchen befinden sich im hintersten Körperabschnitt. Jedoch kann bei den meisten Spezies nur die Königin Eier legen, da nur sie als Larve mit den für die Geschlechtsreife notwendigen Hormonen gefüttert wurde. Die Arbeiterinnen besitzen keine oder lediglich verkümmerte Geschlechtsorgane. Sie können, wenn überhaupt, nur Eier für männliche Geschlechtstiere produzieren.
Exkretionsorgane
Die Exkretionsorgane der Ameisen (Malpighische Gefäße) sind dünne Schläuche, die frei von Filtermöglichkeiten in die Leibeshöhle (Mixocoel) ragen. Die Abfallprodukte werden aus den Zellen in die Malpighischen Gefäße geleitet und gelangen dann in den Darm. Hier erfolgt die Reabsorption, das heißt Wasser und verwertbare Substanzen werden wieder in die Blutbahn überführt.
Nahrung
Allesfresser
Die wohl bekannteste heimische Ameisenart, die Rote Waldameise, ist ein Allesfresser. Ihre Nahrung besteht vor allem aus Insekten (z. B. Raupen, Schmetterlingen, Fliegen) und anderen Wirbellosen (z. B. Spinnen). Daneben werden auch Ausscheidungen verschiedener Lausarten (Honigtau), Sekrete aus floralen und extrafloralen Nektarien, dazu Samen, Pollen, Früchte und verschiedene Pflanzenteile gefressen. Trifft eine einzelne Arbeiterin auf ein (für sie allein) zu großes Beutetier, so greift sie es meist trotzdem an und versucht ihm mit den Kiefernzangen eine Wunde zuzufügen, in die sie aus der Giftdrüse Ameisensäure sprüht. Die leicht flüchtige Ameisensäure signalisiert Artgenossen, dass Unterstützung gebraucht wird.
Räuber und Aasfresser
Eine Reihe von Ameisenarten – zum Beispiel Treiberameisen – ernähren sich ausschließlich räuberisch. Daneben ernähren sich einige Arten auch von frischem Aas. Einige Ameisenarten haben sich auf bestimmte Beutetiere spezialisiert, so ernährt sich die südamerikanische Knotenameisengattung Daceton ausschließlich von Springschwänzen.
Nomadisch lebende Ameisenarten, wie die Treiber-, Wander- und Amazonenameisen, jagen als gesamtes Volk. Dabei bilden beispielsweise die Wanderameisen Fronten, die nicht selten 14 bis 20 Meter breit werden können. Neben diversen Wirbellosen erbeuten sie gelegentlich auch Nestjunge Vögel, kleine Säugetiere und Schlangen.
Nutzung von an Pflanzen saugenden Insekten
Viele Ameisenarten leben mit pflanzensaugenden Insekten in Symbiose und somit in gegenseitiger Abhängigkeit. Hauptsächlich sind das phloemsaugende Schildläuse (Coccoidea), Blattläuse (Aphidoidea) und Blattflöhe (Psylloidea). Phloem ist reich an Kohlenhydraten, enthält aber nur sehr wenig Protein. Phloemsauger verbrauchen deshalb nur circa zehn Prozent der Kohlenhydrate; der Überschuss wird als zuckerreicher Honigtau – wichtigste Kohlenhydratquelle der Ameisen – ausgeschieden. Die Ameisen „melken“ die Blattsauger und bewachen sie im Gegenzug vor Fressfeinden. Manche Ameisenarten lassen die Blattläuse in ihrem Nest überwintern oder tragen deren Eier in ihr Nest, um sie vor Kälte zu schützen. Vom Regen fortgespülte Larven werden von den Ameisen gesucht und zurückgeholt.
„Melkende“ Ameise
Manche Ameisen suchen gezielt nach Blattsaugern und versetzen sie auf von den Pflanzensaugern bevorzugte Pflanzen. Wird eine Herde zu groß, so treiben oder tragen die Ameisen die Läuse oder deren Eier zu einer neuen Pflanze. Es wurden Kriege zwischen verschiedenen Ameisenstaaten beobachtet, in denen um die Vorherrschaft über Läuseherden gekämpft wurde.
Samenfresser
Die in den Halbwüsten und Steppen vorkommenden Ernteameisenarten (Granivoren) der Gattung Pogonomyrmex, oder die in wärmeren Gegenden Europas und in Afrika verbreiteten Messor sammeln vor allem Gras- (zum Beispiel Getreide-), aber auch andere Pflanzensamen, die sie massenhaft einlagern und von denen sie sich ausschließlich ernähren. Bei den Ernteameisen gibt es Arbeiterinnen mit vergrößerten Mandibeln (sogenannten Majoren), die ausschließlich die auf den bis zu 200 Meter langen Ameisenstraßen herangeschleppten Samen knacken. Weniger spezialisierte Ernteameisen wie Vertreter von Pheidole oder Tetramorium sind nicht auf Pflanzensamen angewiesen und nutzen auch andere Nahrungsangebote.
Samensammler
Zu dieser Gruppe zählen die Elaiosom-fressenden Ameisen, z. B. die meisten Waldameisen und Wegameisen. Das Elaiosom ist ein protein- und fettreiches Fraßkörperchen, das sich als Anhängsel an Samen von vor allem bodennah wachsenden Krautpflanzen (wie verschiedenen Veilchen- und Lerchenspornarten) findet. Die Samenausbreitung findet an diesen Pflanzen durch Ameisen statt (Myrmekochorie). Die meist sehr kleinen Samen werden im Ganzen wegtransportiert und mithin verbreitet, aber nur das Elaiosom verwertet.
Diebe
Diebe oder Gelegenheitsdiebe bauen Gänge in fremde Nester oder gar Brutkammern und verschleppen die fremde Brut, um sie später zu verzehren. Dieser Kleptoparasitismus wurde beispielsweise bei der in Europa eingeschleppten und in mehreren Staaten meldepflichtigen Pharaoameise (Monomorium pharaonis) und der Gelben Diebsameise (Solenopsis fugax) beobachtet.
Pilzzüchter
Einige Ameisenarten des Tribus Attini züchten Pilze. Dazu gehören die südamerikanischen Blattschneiderameisen der Gattungen Atta und Acromyrmex, die in ihren bis zu acht Meter hohen Nestern vor allem Schirmpilze (Lepiota) züchten und mit diesen und einem Bakterium in einer seltenen Dreiersymbiose leben.
Die Ameisen schaffen Blatt- und Pflanzenteile heran, zerkauen diese zu einer breiigen, weitestgehend fungizid-freien Masse, die dann als spezieller Nährboden für die Pilze dient. Demgegenüber bilden die Pilze an den Enden der Pilzfäden eiweißreiche Verdickungen (Gongylidien oder Bromalien) aus, die als Proteinquelle für die Ameisen dienen. Auch schließen die Pilze die Cellulose in den pflanzlichen Materialien so auf, dass sie für die Ameisen verwertbar werden und bauen überdies Insektizide ab. Die dritten in der Dreiersymbiose sind Bakterien der Gattung Streptomyces, die an der Unterseite der Ameisen ihren Lebensraum haben und antibakterielle und fungizide Stoffe produzieren. Damit schützen die Ameisen ihre Pilze vor hochspezialisierten Parasiten wie die zu den Schlauchpilzen gehörenden Escovopsis-Arten, die die Ernte der Ameisen bedrohen. Einige Attini-Arten züchten Pilze auf Raupenkot oder anderen organischen Materialien.
Der Ameisenstaat
Die Ameisen zählen zu den eusozialen (staatenbildenden) Insekten. Bei Ameisen gibt es Staaten von nur wenigen hundert (Leptothorax) bis über 20 Millionen Tieren. Die größte bekannte Ameisenkolonie wurde von dem Schweizer Biologen Laurent Keller entdeckt. Sie erstreckt sich über eine Länge von 5760 Kilometern entlang der Küste der Italienischen Riviera bis in den Nordwesten Spaniens und besteht aus mehreren Millionen Nestern mit mehreren Milliarden Individuen. Normalerweise würden sich die Ameisenvölker untereinander attackieren, es sei denn, sie sind so nah miteinander verwandt, dass sie sich gegenseitig erkennen und als ein Volk akzeptieren. In absehbarer Zeit wird allerdings die genetische Verwandtschaft der einzelnen Teilvölker dieser Superkolonie derart abnehmen, dass sich die Ameisen untereinander nicht mehr erkennen werden.
Monogyne Staaten, die also nur eine Königin besitzen, können meistens nur so alt wie die Königin selbst werden, da nach deren Tod keine Eier mehr gelegt werden. Königinnen, wie die der Roten Waldameise (Formica rufa), können bis zu 25 Jahre alt werden, während die Arbeiterinnen nur selten länger als zwei bis drei Jahre leben. Im Falle der Schwarzen Wegameise (Lasius niger) schätzt man die mittlere Lebenserwartung der Königinnen sogar auf 29 Jahre.
Polygyne Staaten können zwei bis zu 5000 Königinnen enthalten. Diese Staaten werden in der Regel 50 bis 80 Jahre alt. Danach tritt das Phänomen auf, dass sich die Königinnen untereinander nicht mehr akzeptieren, da der Verwandtschaftsgrad immer geringer wird.
Fortpflanzung und Kastenbildung
Typen des Genus
Der typische Insektenstaat besteht aus Individuen verschiedener Kasten, fast ausnahmslos Weibchen: Königinnen sowie Arbeiterinnen bzw. Soldatinnen. Die Ameisen mit der typischen Königsgestalt, die Vollweibchen (Gynomorphe), werfen in der Regel nach der Begattung ihre Flügel ab und unterscheiden sich dann äußerlich u. a. in ihrer Größe von den normalen Arbeiterinnen. Ein sicheres Merkmal für die Erkennung einer Königin ist der sogenannte „Königinnenbuckel“. Es gibt allerdings auch bei den sozialparasitären Arten kleine Zwergköniginnen (Mikrogyne), die ihre Flügel behalten. Königinnen mit typischer Arbeiterinnengestalt sind die Ergatomorphen. Bei vielen Ameisenarten gibt es intermorphe Weibchen, die anatomisch eine Zwischenform (keine Flügel, aber voll entwickelte Keimdrüsen) sind. Alle drei Formen können theoretisch sowohl als Königin, als auch als Arbeiterin fungieren.
Zusätzlich gibt es sehr viele Ameisenarten mit fortpflanzungsfähigen Arbeiterinnen, welche schwach entwickelte Keimdrüsen, leicht unterentwickelte Eierschläuche und meistens gar keinen oder einen stark zurückgebildeten Samensack (Receptaculum seminis) haben. Sie kommen beispielsweise in monogynen Staaten zum Einsatz, wenn die Königin stirbt. Da aber Arbeiterinnen nicht begattet werden, können sie ihre Eier nicht befruchten, und diese kommen daher auf eingeschlechtlichem (parthenogenen) Weg zustande. Deshalb entstehen bei den Arbeiterinnen immer nur Männchen.
Neben den Arbeiterinnen und den Königinnen gibt es noch die geflügelten Männchen. Man kann sie im Frühjahr beim Hochzeitsflug beobachten. Männchen entstehen nur, um die Jungköniginnen zu begatten.
Eiablage
Nach dem Winterschlaf wärmt sich die Königin zunächst drei bis acht Tage auf und beginnt dann mit der Eiablage (mehrere 100 täglich, bis zu 300 bei der Roten Waldameise). Bei den meisten Arten sind es zuallererst Eier von Geschlechtstieren (Männchen oder Jungköniginnen), da spät geschlüpfte Königinnen nur geringe Chancen haben, einen neuen Staat zu gründen und somit die Art zu erhalten.
Ameisen haben, wie alle staatenbildenden Hautflügler (Hymenoptera) keine Geschlechtschromosomen. Die Königin kann entscheiden, ob aus einem Ei ein Weibchen oder ein Männchen werden soll, je nachdem ob sie das Ei in ihren Eierleitern mit der Samenspritze besprüht oder nicht. Es ist noch ungeklärt, wie die Königin diese Entscheidung trifft.
Es gibt zuweilen (am Beispiel der kleinen Waldameise) auch Königinneneier. Sie sind wesentlich größer, da sie an ihrem hinteren Eipol eine spezielle RNA-Proteinnahrung, das Polplasma, enthalten, die die Embryos für die Entwicklung zu Königinnen brauchen.
Einige Ameisenarten (wie die Weberameisen der Gattung Oecophylla) legen trophische Eier. Diese Eier werden nicht gelegt, um Nachkommen zu zeugen, sondern dienen als Nähreier, mit denen später die Larven gefüttert werden.
Eipflege
Ameiseneier sind meistens weichschalige, gestreckte Ellipsoide von bis zu einem Millimeter Länge. Nach der Eiablage tragen die Brutpflegerinnen die Eier mittels ihrer Mandibeln in die Brutkammern, in denen geeignete Temperatur und Luftfeuchtigkeit herrschen. Ändert sich dieses Mikroklima durch äußere Einflüsse (zum Beispiel Zerstörung), so werden die Eier sofort von den Arbeiterinnen in andere Brutkammern transportiert.
Die Brutpflegerinnen belecken und bespeicheln die Eier immer wieder, um sie sauber zu halten und vor dem Austrocknen zu schützen. Auch haften die Eier dadurch aneinander und können somit notfalls als „Pakete“ transportiert werden.
Bei manchen Arten fressen die Arbeiterinnen einige unbefruchtete Eier, falls sonst zu viele Männchen entstünden.
Die Entwicklung der Eier dauert bei Ameisen je nach Art zwischen ein und vier, bei der Roten Waldameise ungefähr zwei Wochen.
Larvenstadium
Nach einiger Zeit schlüpfen die weißen oder gelblichen, madenförmigen Larven aus den Eiern. Sie sind weichhäutig, meist leicht behaart und je nach Art mehr oder weniger beweglich. Beine, Augen und Mundwerkzeuge sind noch nicht, die Verdauungsorgane nur teilweise ausgebildet. Brutpflegerinnen transportieren die Larven in die Sonne, füttern sie über ihren Kropf und reinigen sie, damit sie nicht austrocknen oder Pilze ansetzen.
Bei den meisten Ameisenarten ist die Nahrung der geschlüpften Larven und deren Lage zur Königin für die Geschlechtsbildung wichtig. Aus den Larven der Königinneneier können sich bei der falschen Nahrung Arbeiterinnen entwickeln, aus denen normaler Eier bei der richtigen Nahrung Königinnen. Die richtige Nahrung ist dabei das Königinnen-Gelee (eine normale Kropfnahrung, der ein Sekret aus den Labial- und Postpharynxdrüsen beigemischt wird), das die Brutpflegerinnen per „Kropf-zu-Mund“ an die Larven verfüttern (Throphallaxis). Den Nahrungsfaktor bei der Entwicklung der Königin nennt man den trophischen Faktor. Alle Eier (auch Königinneneier), die sich sehr nahe bei der Königin befinden, entwickeln sich zu Arbeiterinnen. Das wird damit erklärt, dass die Königin über einen bestimmten versprühten Duft die Kropfnahrung der Brutpflegerinnen steuert.
Innerhalb der Arbeiterinnenkaste kann es morphologisch bedingt noch zwei bis drei Unterkasten, wie die Klein- und Großarbeiterinnen oder Soldaten, geben. Soldaten (zum Beispiel bei den Treiberameisen) haben einen stark vergrößerten Kopf mit sehr großen Mandibeln. Eine extrem ausgeprägte Arbeiterinnenkaste sind die sogenannten Honigtöpfe der nordamerikanischen Honigtopfameisengattung Myrmecocystus, der Schuppenameisen und in abgeschwächter Form der südeuropäischen Art Proformica nasuta, bei denen Tiere als Nahrungsspeicher fungieren: Ihr Kropf füllt die gesamte Gaster aus und wird mit Honig angefüllt. Die Festlegung dieser Subkasten ergibt sich ebenfalls über die Nahrung.
Auch die Männchen erhalten eine spezielle Nahrung.
Da bei den Larven die Verdauungsorgane noch nicht vollständig ausgebildet sind, sammeln sie die unverdaulichen Nahrungsreste im sogenannten Kopfsack, der sich am Ende des Mitteldarms befindet. Erst am Ende der Larvenzeit ist die Verbindung zum After vollständig ausgebildet, so dass der Inhalt des Kopfsacks bei der Umwandlung zur Puppe als sogenanntes Meconium entsorgt werden kann. Bei solchen Ameisen, deren Puppen in Kokons liegen, wird der Larvenkot (Exkret) durch schwarze Punkte an der Puppenhülle sichtbar, sobald zwischen Darm und Magen eine Verbindung entstanden ist.
Die Larven entwickeln sich meist schnell: Die Larven der Roten Waldameise können sich innerhalb von acht Tagen verpuppen.
Das gesamte Wachstum der Ameisen ist, wie bei allen Holometabolen Insekten auf das Larvenstadium beschränkt.
Puppenstadium
Im Puppenstadium nimmt die Ameise keine Nahrung mehr auf und verharrt völlig regungslos. Die Larven der meisten Schuppen- und Urameisen spinnen sich beim Verpuppen mittels eines aus ihrem Labium austretenden Spinndrüsensekretes in eine trockene Hülle (Kokon) ein. Die Larven der Knotenameisen verpuppen sich hingegen ohne Kokon.
Die Puppenruhe dauert bei den Roten Waldameisen rund 14 Tage, bei vielen Arten jedoch bedeutend länger. Die Puppenkokons werden von den Brutpflegerinnen an die günstigsten Standorte transportiert und gepflegt. Auch helfen sie beim Schlüpfen und füttern und reinigen die junge Ameise noch einige Tage lang, bis deren Chitinpanzer gehärtet und nachgedunkelt ist.
Hochzeitsflug
Schwärmende Ameisen kommen aus einer Fußbodenleiste
Sind die Jungköniginnen und Männchen geschlüpft (bei den heimischen Arten Anfang Mai), so bereitet sich der gesamte Staat auf den Hochzeitsflug vor. Die geflügelten Geschlechtstiere verspüren immer mehr den Drang, auf hohe Punkte, wie etwa Grashalme, Hügel oder Bäume zu klettern. Spezielle Arbeiterinnen passen auf, dass sich die Geschlechtstiere nicht zu weit vom Nest fortbewegen und holen sie notfalls in den Bau zurück.
Zu einem artspezifischen Zeitpunkt (bei einheimischen Arten meistens im Früh- oder Hochsommer), der vermutlich von bestimmten Luftströmungen, Lichtverhältnissen und Temperaturen abhängt, schwärmen alle Geschlechtstiere einer Art gleichzeitig zum Hochzeitsflug aus. Durch diesen einfachen, aber genialen Trick kann Inzucht weitestgehend vermieden werden. Das jeweils andere Geschlecht wird dabei durch Ausstoßen von Sexualduftstoffen angelockt.
Auf dem einige Stunden dauernden Hochzeitsflug wird die Jungkönigin von zwei bis 40 Männchen begattet. Die Königin nimmt bis zu mehrere 100 Millionen Spermien in ihrem Samensack auf, die sie durchschnittlich 25 Jahre unbeschadet verwahren kann und mit denen sie die Eier befruchtet. Vor allem tropische und subtropische Arten schwärmen zweimal im Jahr.
Einige Stunden nach dem Hochzeitsflug sterben die Männchen und werden von den Arbeiterinnen als Nahrung betrachtet und in den Bau gebracht. Wenn die Königinnen zurück auf die Erde fallen, brechen ihre Flügel in der Regel an vorbestimmten Stellen, oder sie beißen sie sich selbst ab, da sie nicht mehr benötigt werden.
Einige, vor allem größere Ameisenarten, paaren sich auf dem Boden.
Nach der Besamung versuchen die Königinnen ein eigenes Volk aus Arbeiterinnen heranzuziehen.
Staatenentwicklung
Selbständige Staatengründung
Die häufigste Variante ist die selbständige Staatengründung. Sie wird in Mitteleuropa von schätzungsweise 65 Prozent der Arten betrieben. Bei dieser Form sucht sich ein begattetes Weibchen einen geeigneten Nistplatz, legt eine kleine abgeschlossene Höhlung, die Claustra, an und legt dort ihre Eier. Die Brut wird von ihr völlig selbständig gefüttert und gepflegt. Man unterscheidet bei der unabhängigen Staatengründung zwischen claustraler (ohne Futteraufnahme) und semiclaustraler (mit Futteraufnahme) Gründung.
Die meisten Arten, vor allem die größeren, brauchen während der Brutzeit nicht auf Nahrungssuche zu gehen. Anfangs füttert die Königin die Larven trophal. Wenn ihre Kropfnahrung aufgebraucht ist, baut sie ihre Fettreserven und kräftige Flugmuskulatur ab, die sie nach dem Hochzeitsflug nicht mehr benötigt und ist dadurch in der Lage, Futtersekrete für die Larven herzustellen. Reicht auch das nicht aus, so frisst sie einen Teil ihrer Eier, um diese wieder zu verwerten und sicherzustellen, dass sich zumindest einige Arbeiterinnen entwickeln und somit bei der Nahrungssuche helfen können.
Bei den kleineren Arten, wie etwa den Leptothorax-Gattungen haben die Jungköniginnen nicht genug körpereigene Reserven, daher müssen sich diese hin und wieder auf Nahrungssuche begeben. Da sie sich dabei mehr als die größeren Arten der Gefahr aussetzen müssen, dass ihre unbewachte Brut oder sie selbst gefressen werden, gelingt es nur wenigen der zu Tausenden ausschwärmenden Jungköniginnen, erfolgreich einen eigenen Staat zu gründen.
Mit den ersten geschlüpften Arbeiterinnen wird langsam der neue Staat gegründet. Die Königin versorgt nicht mehr den Nachwuchs, sie widmet sich vielmehr ausschließlich dem Eierlegen. Die Arbeiterinnen übernehmen nun alle anderen Aufgaben, sei es die Brutpflege, die Nahrungssuche oder der Nestbau. Eine solche Staatengründung kann auch gemeinsam durch mehrere Königinnen stattfinden, wobei sie alle ihre Eier gemeinsam an eine Stelle ablegen und die Brut gemeinsam groß ziehen lassen. Der daraus resultierende Staat ist dann entweder polygyn oder die Königinnen entscheiden mittels Kämpfen über die Hierarchie, wenn nicht gar eine Königin alle anderen tötet, woraus dann eine sogenannte funktionelle Monogynie erwächst.
Nestteilung
Bei der Nesterteilung kommen die frisch begatteten Königinnen nach dem Hochzeitsflug zu ihren Nestern zurück und versprühen ein bestimmtes Sekret, das einen Teil der Arbeiterinnen veranlasst, ihnen zu folgen. Dadurch entstehen in der Nähe des Ursprungsnests Tochternester (Soziotonie), welche meistens durch Ameisenstraßen in Verbindung bleiben. Mehrere Ameisennester in näherer Umgebung deuten meist auf ein gemeinsames Ursprungsnest hin. Ein solches System bezeichnet man als Kolonie, sehr große Kolonien, wie beispielsweise jenes bei der Argentinischen Ameise, als Superkolonie.
Nestteilungen beobachtete man bei fast allen Ameisenarten, vorrangig jedoch bei den Zwergameisenarten der Plagiolepis, bei der Kippleibameise (Crematogaster scutellaris) und der bei uns eingeschleppten Pharaoameise (Monomorium pharaonis).
Rückkehr der Königinnen
Königinnen der Kahlrückigen Waldameise und der Großen Wiesenameise kehren oft wieder in ihr Heimatnest zurück. Dort werden sie von Arbeiterinnen sicher in den Bau begleitet und gepflegt. Die neue Königin beginnt dann ebenfalls Eier zu legen. Völker dieser Art haben oft mehrere Königinnen, sind also polygyn und teilen sich, wenn sie zu groß werden auf. Die neue Königin verlässt dann mit einem Teil der Arbeiterinnen das Nest und gründet ein „Ableger-Nest“ (Zweignestbildung). Es kommt auch vor, dass Königinnen dieser Arten nicht in ihr altes Nest zurückfinden oder nicht aufgenommen werden. Sie versuchen dann von Völkern derselben Art aufgenommen zu werden (Adoption), oder versuchen in ein Nest von nahe verwandten Arten einzudringen, die dortige Königin zu töten und ihre Nachkommen von den fremden Ameisen großziehen zu lassen (temporärer Sozialparasitismus).
Die junge Königin der Roten Waldameise (Formica rufa) aus einem monogynen Nest kann nicht in die Mutterkolonie zurückkehren, sondern dringt in den Staat der Grauschwarzen Sklavenameise (Formica fusca) ein, tötet die Königin und setzt sich an ihre Stelle. Die Sklavenameisen ziehen dann die Brut der neuen Königin groß. Einige Zeit hat man so ein gemischtes Volk, bis die letzte Sklavenameise gestorben ist und nur noch Nachkommen der neuen Königin übrig sind. Stammt die Jungkönigin aus einem polygynen Nest, kann sie auch von der Mutterkolonie oder einem anderen Volk der gleichen Art adoptiert werden.
Sozialparasitäre Ameisen
Formen der Versklavung findet man bei der Amazonenameise (Polyergus rufescens) bei den Arten Leptothorax, Formica fusca, Formica sanguinea und Formica rufibarbis oder bei der Epimyrma ravouxi.
Bei der unselbständigen Staatengründung sucht sich eine Königin Arbeiterinnen von derselben oder auch fremden Arten. Im besonderen Fall der Blutroten Raubameise (Formica sanguinea) sucht sich die Königin eine Hilfskönigin zumeist bei der Grauschwarzen Sklavenameise (Formica fusca) oder der Roten Waldameise (Formica rufa). Sie schüchtert die Hilfskönigin ein und legt Eier in deren Erdhöhle. Daraufhin pflegt die Hilfskönigin beide Gelege. Wenn die ersten Arbeiterinnen der abhängigen Königin geschlüpft sind, wird die Hilfskönigin getötet und deren Brut versklavt, sodass die Königin sich nun von den anderen Arbeiterinnen pflegen lässt. Diese Art von abhängiger Staatengründung nennt man temporären Sozialparasitismus. Hin und wieder kommt es vor, dass die parasitäre Königin ihre Wirtin leben lässt und sich so ein permanentes oder zeitweiliges Mischvolk entwickelt (zum Beispiel bei der Säbelameise (Strongylognathus testaceus) und der Gemeinen Rasenameise (Tetramorium caespitum).
Eine andere Art des Sozialparasitismus, den Brutparasitismus, findet man bei der Arbeiterlosen Parasitenameise (Anergates atratulus). Sie dringt in königinnenlose Nester von Tetramorium-Arten ein und legt dort eine große Zahl an Eiern, die von den Wirtsameisen „adoptiert“ werden.
Manche Ameisenarten sind nicht in der Lage selbstständig zu fressen oder Nestbautätigkeiten auszuführen. Sie dringen in artfremde oder -eigene Nester ein und töten entweder alle dort lebenden Ameisen um deren Bau für das eigene Volk zu nutzen, oder lassen nur die bald schlüpfenden Larven unversehrt, um sie als Sklaven aufzuziehen. Meistens werden bei dieser Form immer wieder Raubzüge unternommen, um sich ständig neue Sklaven zu besorgen.
Ameisen und die Evolutionstheorie
Die Arbeiterinnen der Ameisen sind altruistische Lebewesen: Während sie sich selbst nicht fortpflanzen, arbeiten sie „selbstlos“ darauf hin, dass die Königin ihre Gene an Nachkommen weitergeben kann. Darwin war sich des Dilemmas für die Evolutionstheorie bewusst: Wie werden altruistische Gene weitergegeben, wenn sich ihre Träger – die Arbeiterinnen – nie fortpflanzen. Sein Erklärungsversuch: Auch komplette Familienverbände könnten von der Selektion begünstigt werden. 1968 formulierte der britische Biologe William D. Hamilton seine mathematisch gestützte und allgemein anerkannte Theorie der Verwandtenselektion (kin selection). Aufgrund der speziellen Fortpflanzung staatenbildender Insekten sind Ameisenarbeiterinnen zu 75 Prozent miteinander verwandt, also stärker, als es mit einer eigenen Tochter möglich wäre. Deshalb bevorzugt die natürliche Selektion solche Gene, welche die Arbeiterinnen veranlassen, Schwestern und nicht eigene Töchter aufzuziehen – Grundlage des altruistisch sozialen Ameisenstaates.
Die Organisation des Ameisenstaates
Orientierung
Außer über die Pheromone können sich Ameisen auch anhand der Polarisation des Lichts orientieren. Im Zusammenspiel von der mit der Tageszeit variierenden Ausrichtung der Lichtwellen und einer inneren biologischen Uhr bestimmen die Ameisen ihre Laufrichtung. Die Wüstenameisen (Cataglyphis fortis) können darüber hinaus neben der von ihnen zurückgelegten Strecke auch die Luftlinie zum Ausgangspunkt (Ameisenhaufen) wahrnehmen.
Einige andere Arten orientieren sich auch mittels Ultraschall. Dazu senden sie durch Stridulation (Reiben des mit kleinen Haaren oder Haken bestückten hinteren Beinpaars am Hinterleib, vgl. das Zirpen bei Grillen) Schallwellen ab acht Kilohertz bis weit in den Ultraschallbereich aus. Diese werden an Gegenständen reflektiert, mit dem Johnstonschen Organ aufgefangen und ausgewertet. Stridulationsklänge können aber auch durch Auf- und Abbewegungen eines Gastersegments an einer Kante des Postpetiolus entstehen. So können verschüttete Blattschneiderameisen „um Hilfe rufen“ und von Artgenossen gehört und ausgegraben werden.
Kommunikation
Der Informationsaustausch bei Ameisen erfolgt größtenteils chemisch über verschiedene Duftstoffe und taktil durch das Betasten mit den Fühlern. Es gibt für jede Situation Sekrete, zum Beispiel die Alarm-Pheromone, wie das Undecan aus den Dufourschen Drüsen. Diese olfaktorische Kommunikation ist die wichtigste Verständigungsmöglichkeit der Ameisen.
Jede notwendige Information kann auch über Antennenkreuzen weitergegeben werden. So berühren sich die Fühler beispielsweise kurz oder lang und abrupt oder gleitend. Dieses nennt man taktile Kommunikation. Mit dieser Methode kann eine Ameise einer anderen durch Betrillerung signalisieren, dass sie hungrig ist und Kropfnahrung benötigt. Auch wenn eine Ameise eine andere zu einer Nahrungsquelle führt und die Duftspur noch nicht ausreichend intensiv ist, ist diese Art von Kommunikation notwendig. Dabei veranstalten diese beiden Ameisen den sogenannten Tandemlauf. Durch Betasten der Gaster signalisiert die geführte hintere Ameise ihre Anwesenheit. Ist diese nicht mehr da, wartet die Führerin und versprüht so lange Sekrete, bis sich beide wieder gefunden haben.
Kollektive Intelligenz
Transportieren mehrere Ameisen Beute gemeinsam zum Nest, so beruht das nicht auf einer Absprache, also auf einer kommunikativen Intelligenz. Vielmehr versucht jede Ameise für sich die Beute in Richtung Nest zu schaffen. Sind genug Ameisen herangekommen, um die Beute der Masse nach wegschaffen zu können, und zerren genug Ameisen in etwa dieselbe Richtung, nämlich auf derselben Straße Richtung Nest, so setzt sich der Transportzug automatisch in Bewegung. Je besser die Straße durch Pheromone markiert ist, desto besser kommt der Zug voran.
An den Schwarzen Wegameisen wurde nachgewiesen, dass Ameisen sich nicht ausschließlich nach der Pheromonspur (Ameisenstraße) der Gründerameise richten, wenn sie die Beute in Richtung Nest schaffen. Ist eine Passage so eng, dass es zu Kollisionen zwischen den hin- und zurücklaufenden Ameisen kommt, so weichen die heimkehrenden Ameisen auf einen alternativen Weg aus und legen dabei eine praktisch parallele Ameisenstraße an, die sich durch Benutzung verfestigt. Dass die heimkehrenden Ameisen ausweichen, dürfte damit begründet sein, dass die Ameisen über den eingebauten Kompass das Nest auch ohne Pheromonspur gut orten können, was für die Beute nicht gilt: Diese ist nur durch die Pheromonspur zu finden.
Ein interessantes Beispiel für kollektive Intelligenz liefert die Ameisenart Cataulacus muticus. Diese Ameisen leben im Inneren einer Bambusart. Sie schützen sich folgendermaßen vor Hochwasser, wenn Regen einsetzt:
1. Die Ameisen verriegeln mit ihren Köpfen den Stamm von innen wie mit einem Korken
2. Eingedrungenes Wasser wird aufgenommen und nach dem Regen außerhalb ausgeschieden (geprägte Bezeichnung: „Kollektivpinkeln“).
Nestarten
Die meisten Nester bestehen aus kleinen Holz- oder Pflanzenteilen, Erdkrumen, Harz von Nadelgehölzen oder anderen natürlichen Materialien. Innerhalb einer Ameisenart können verschiedene Nestarten auftreten.
Nomadisch lebende Ameisengattungen, wie die Wander- und Treiberameisen, bauen keine Nester. Da sie sich ständig auf Raubzügen durch die Savannen Afrikas oder die Regenwälder Südamerikas befinden, brauchen sie keine festen Nistplätze. Die Königin und die Brut werden etwas entfernt von der bis zu 20 m breiten Front mitgetragen. Des Nachts bilden die Arbeiterinnen und Soldaten ein lebendes Biwak aus ihren Körpern um die Königin und ihre Brut. Dabei halten sich die Ameisen mit ihren Mandibeln an den Abdomen eines anderen Tieres fest. In diesen Biwaks aus Tausenden von Körpern ist die Königin vor allen äußeren Einflüssen besser geschützt als es in irgendwelchen Nestern überhaupt möglich wäre. Hindernisse überwinden sie, indem sie aus ihren Körpern eine Brücke bilden, über die das restliche Volk hinweg wandern kann.
Erdnest
Eingang zu einem Erdnest zwischen den Fliesen einer Terrasse
Das Erdnest ist die häufigste Nestart, bei der zumindest der Großteil aller Gänge und Kammern unterhalb der Erdoberfläche liegt. Erdnester sind sehr witterungsanfällig, sodass sie meistens nur an besonders geschützten Stellen wie beispielsweise unter wärmespeichernden Steinen zu finden sind. Manche Arten bilden auch einen Kraterwall um ihr Nest.
Die meisten Erdnester – wie zum Beispiel die der Gelben Wiesenameise (Lasius flavus) – verfügen über eine kleine Kuppel. Solche Erdnester können mehr Sonnenstrahlen auffangen, als flache Nester.
Hügelnest mit Streukuppeln
Der Bau der Roten Waldameise ist ein Hügelnest mit Streukuppeln
Eine bessere Durchlüftung und gleichzeitig auch eine bessere Wärmespeicherung bieten die Hügelnester mit Streukuppeln. Diese Nester sind meistens um morsche Baumstümpfe errichtet, die ihnen Halt geben. In solchen Hügeln leben die meisten Arten der Gattung Formica. Die obere Schicht aus Pflanzenteilen schützt das Nest vor Regen und Kälte; die unteren Schichten sind aus Erde. Die Gänge sind so angelegt, dass Wasser an ihnen abperlen kann. In solchen Nestern, die bis zwei Meter hoch werden und einen Durchmesser von fünf Metern erreichen können und nochmals so tief wie hoch sind, gibt es zahlreiche Etagen und Galerien. Solche Nester haben durch ihre pflanzlichen Bestandteile stark mit Pilzen zu kämpfen, weshalb die Ameisen alle ein bis zwei Wochen die Oberfläche des Nestes komplett umgraben. Dies kann man sehr gut beobachten, wenn man etwas Farbe auf dieses sprüht: Nach spätestens zwei Wochen ist diese vollständig verschwunden und taucht nach vier bis sechs Wochen an einer anderen Stelle wieder auf. Im Winter dient der obere Teil der Hügelnester als Frostschutz, während alle Ameisen in den tieferen Kammern ihre Winterruhe halten.
Holznest
Verschiedene Ameisenarten schneiden mit ihren Mandibeln Nester und Gangsysteme in morsches oder hohles Totholz, wie auch lebende Bäume, wobei den letzteren im Allgemeinen trotzdem noch genügend Wasser- und Nährstoffleitungen zum Überleben bleiben. Die Eingänge befinden sich an den Wurzelenden, so dass man dem Stamm das Nest von außen nicht ansehen kann. Vor allem die mitteleuropäische Schwarze Rossameise (Camponotus herculeanus) nagt ausgeprägte Nestkammersysteme, sogenannte Hängende Gärten, in morsche Stämme.
Die Glänzendschwarzen Holzameisen (Lasius fuliginosus) bauen als einzige heimische Vertreter Kartonnester in Bäume. Sie zerkleinern dazu kleine Holz- und Erdmaterialien und durchtränken diese geknetete Kartonsubstanz mit aus dem Kropf hervorgewürgtem Honigtau. Diese Baumasse enthält bis zu 50 Prozent Zucker. Darauf züchten sie den Pilz Cladosporium myrmecophilum, der durch seine Hyphen (pilztypisch fadenförmige Zellstruktur) den Nestwänden Stabilität verleiht. Beide Lebewesen leben in Symbiose, denn der Pilz findet so optimale Nahrungsgründe.
Kartonnester sind jedoch vor allem bei tropischen Ameisen zu finden, die diese meist freihängend bauen.
Seidennest [Bearbeiten]
Weberameisen der Gattung Oecophylla bauen ihre Nester mittels eines Seidensekrets ihrer Larven, mit dem Blätterbüschel zusammengesponnen werden. Meistens sind diese Nester ebenfalls freihängend. Andere bauen ihre Nester ausschließlich aus Seide, die sie mit totem organischem Material (Detritus) bedecken oder tarnen.
Ameisenpflanzen
Ameisenpflanzen bzw. Myrmecophyten umfassen all jene Pflanzen, die Ameisen zur Nahrung (beispielsweise als Elaiosom-produzierende Pflanzen) zur Fortpflanzung oder als ständigen Wohnraum (Domatien) benötigen.
Domatien sind Pflanzen mit Hohlräumen, in denen Ameisen nisten (Myrmekophylaxis). So leben die Arten der tropischen Gattung Tetraponera (Pseudomyrmecinae) und die malaysischen Cataulacus muticus (Myrmicinae) in den hohlen Stängeln zweier Riesenbambusarten. Teilweise züchten Ameisen in den Pflanzen Blattläuse, wie die Arten der Gattung Azteca, die in hohlen, durch Querwände unterteilten Zweigen und Stämmen der Pflanzen der Gattung Cecropia leben.
Weitere Pflanzen, in denen Ameisen wohnen, sind die der Gattung Myrmecodia, oder eine Büffelhornakazie der Spezies Acacia sphaerocephala, in deren hohlen Dornen die Ameisen nisten.
Andere Nistmöglichkeiten
Die kleineren Arten, vor allem die der Leptothorax benötigen keine größeren Territorien. Diese nutzen kleine Asthöhlungen von diversen Larven oder wohnen in Schneckenhäusern oder Eicheln.
Interaktion mit anderen Lebewesen
Fressfeinde
In Mitteleuropa ernähren sich einige Vogelarten wie z. B. der Grün-, Bunt- und Schwarzspecht, kleine Schlangen, Amphibien, Spinnen, Insekten aber auch Wildschweine von Ameisen. Die Larven der Ameisenjungfern, die Ameisenlöwen, sind unter anderem auf das Erbeuten von Ameisen spezialisiert. Der Grünspecht deckt die Hälfte seines täglichen Nahrungsbedarfs mit circa 3000 bis 5000 Ameisen.
Außerhalb Europas sind vor allem Ameisenbären bedeutende Fressfeinde, im Süden der USA, sowie in Mittelamerika, kommt in dieser Beziehung den Krötenechsen (Phrynosoma) größere Bedeutung zu, die sich fast ausschließlich von Ameisen ernähren.
Viele Wirbellose (wie z. B. Raubwanzen) imitieren die Pheromone der Ameisen und legen damit Ameisenstraßen, auf denen die Ameisen ihren Feinden entgegenlaufen. Einige Spinnentiere, Tausendfüßlerarten und Käfer imitieren speziell die Pheromone der Ameisenlarven. So können sie ungehindert, teilweise auch getragen von den Brutpflegerinnen, in den Bau zu den Brutkammern eindringen und sich der Larven bedienen. Beide Formen können zu der chemischen Mimikry gezählt werden.
Ameisengäste
Ameisengäste sind Tiere, die in Ameisenbauten leben. Dazu gehören vor allem Insekten, aber auch Webspinnen. Formen des Zusammenlebens sind Synechthrie bzw. Syllestium, Synökie und Symphylie.
Bei der räuberischen Form – Synechthrie oder Syllestium – des Zusammenlebens ernährt sich der Ameisengast von Ameisen, Ameisenlarven oder Ameiseneiern. Dabei werden verschiedene Strategien angewandt: Ameisenspinnen ahmen Ameisen in Form und Verhalten nach, während sich beispielsweise einige Bläulingsraupen durch einen dicken Schutzmantel vor Angriffen der Ameisen schützen.
Die Synökie bezeichnet ein Zusammenleben verschiedener Arten ohne sonderliche gegenseitige Beeinflussung. Verschiedene Springschwanzarten, die Larven der Schwebfliegengattung Microdon, die Blattkäfergattung Clytra, Grillen der Gattung Myrmecophila (z.B. die Ameisengrille), Ameisenfischchen (Atelura spec.) und die Kurzflügler der Gattung Dinarda leben von den Nahrungsvorräten der Ameisen. Außerhalb der Ameisenbauten finden sich häufig Rosenkäferlarven.
Bei der Symphylie werden die Ameisengäste beschützt und oftmals auch gefüttert. Die Ameisen erhalten dafür zum Beispiel nahrhafte Drüsensekrete. Zu solchen Gästen zählen die Kurzflügler der Gattungen Lomechusa und Atemeles, Keulenkäfer der Gattung Claviger und einige Bläulingsraupen.
Ameisen und Bläulinge
75 Prozent der weltweit vorkommenden Bläulingsarten (eine Schmetterlingsfamilie) leben myrmekophil, also von oder mit Ameisen. Dabei kommen Symbiose und Parasitismus mit allen Zwischenstufen vor. Einige Raupen, wie beispielsweise der Silbergrüne Bläuling (Polyommatus coridon), oder der Storchschnabel-Bläuling (Plebeius eumedon) dienen den Ameisen ähnlich den Pflanzenläusen als Honigtauquellen. Dafür werden sie vor Fressfeinden beschützt. Andere Bläulingsraupen leben parasitär oder symbiotisch als Ameisengäste im Ameisenbau. So wird die Raupe des Lungenenzian-Ameisenbläulings von Ameisen der Art Myrmica ruginodis adoptiert und ohne Gegenleistung wie eine Ameisenlarve gefüttert. Die Raupe des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings wird von der Roten Gartenameise (Myrmica rubra) ebenfalls wie die Brut gepflegt, gibt aber Zuckerwasser an die Ameisen ab. Zusätzlich frisst die Raupe die Ameisenbrut.
Einige Bläulinge sind vollkommen von einer speziellen Ameisenart abhängig. So braucht der Quendel-Ameisenbläuling Knotenameisen der Art Myrmica sabuleti zur Entwicklung. Gegen Absonderung eines zuckerhaltigen Sekrets darf sich die Raupe von Ameisenlarven ernähren. Ein Rückgang der Ameisen aufgrund einer veränderten Viehwirtschaft auf den Britischen Inseln (die Ameisen bevorzugen kurzes, also beweidetes Gras) führte dort zum Aussterben des Bläulings.
Parasiten
Ameisen können von Hämolymphe saugenden Milben befallen sein. Daneben gibt es Milben der Gattung Antennophorus: Sie leben auf den Ameisen und bringen die Ameisen durch Reizung dazu, Nahrungstropfen abzugeben, von denen sich die Milben ernähren. Milben der Art Laelops oophilus leben bei den Larven und lassen sich von den Brutpflegerinnen füttern.
Zu den Innenparasiten gehören die Larven einiger Schlupfwespenarten und verschiedene Fadenwürmer. Auch dienen Ameisen dem Kleinen Leberegel als zweiter Zwischenwirt.
Ameise und Mensch
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Ernteameisen der Spezies Pogonomyrmex barbatus, die man als Holzschädlinge betrachtet, können die Forstwirtschaft fördern, indem sie den Abbau und die Umsetzung von Holz beschleunigen, das bereits von anderen Insekten befallen ist. Zwar wirken sich die vielen samensammelnden Ameisen schädigend auf die Landwirtschaft aus, wenn sie in der Umgebung von Kornfeldern und Getreidespeichern zu zahlreich werden, doch im Normalfall kann ihre Anwesenheit die Produktion begünstigen, weil sie der Zunahme schädlicher parasitischer Käfer entgegenwirkt. Blattlaushaltende Ameisen sind häufig Schädlinge in Gärten. Weitere bedeutende Beiträge zur Forstwirtschaft in tropischen und subtropischen Gebieten leisten wohl die räuberischen Treiber- oder Wanderameisen. Sie beseitigen effektiv andere, noch schädlichere Insekten und sind daher in menschlichen Wohngebieten nicht immer unwillkommen.
Gefahren für den Menschen
Ameisenstiche von Tetramorium sp.
Die Roten Feuerameisen wurden Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts nach Australien eingeschleppt. Unter den für sie sehr günstigen Umweltbedingungen des australischen Outbacks haben sie sich stark vermehrt, u. a. auch in der Nähe von Städten. Tatsächlich betrachten sie die Menschen als Eindringlinge in ihr Revier und versuchen sich zu verteidigen. Ihre Bisse und das Gift ihres Stachels wirken bei manchen Menschen allergieauslösend wie Bienen- oder Wespenstiche.
Haltung
Einheimische oder exotische Ameisenarten können in speziellen, vorgefertigten Behältnissen, den sogenannten Formicarien gehalten werden. Ameisenhaltung ist inzwischen zu einem beliebten Hobby geworden; sie zählt zum Wissensbereich der Terraristik. Die nötigen Anschaffungen hängen vom Anspruch der jeweiligen Art ab. Beispielsweise ist der Aufwand für die Blattschneiderameisen Atta cephalotes ungewöhnlich hoch, da sie ständig Nachschub an frischen Blättern brauchen, um ihre Nahrung (einen Pilz) züchten zu können. Heimische Arten, wie etwa die Schwarze Wegameise (Lasius niger), können dagegen auch in einem einfachen Gipsnest mit angeschlossener Arena (sandiger Boden) gehalten werden.
Zu beachten ist bei europäischen Arten die Einhaltung der Winterruhe von Mitte Oktober bis April, die entweder in geeigneten Behältnissen im Kühlschrank oder frostgeschützt auf dem Balkon oder im Garten verbracht werden sollte. Ohne diese Winterruhe kommt es zu einer Schwächung des Ameisenstaates, die zum Absterben der Kolonie führen kann.
Beachtenswertes und Merkwürdiges
* Die Biomasse aller Ameisen auf der Erde übersteigt jene der Menschen bei weitem, obwohl eine einzelne Ameise je nach Art und Kaste nur etwa 6 bis 10 mg wiegt und 0,8 mm (eine Art der Gattung Leptothorax) bis 25 mm (Bulldoggenameisen) lang wird.
* Die größte bekannte Ameisenkolonie befindet sich in Südeuropa und wird von der Argentinischen Ameise Linepithema humile gebildet. Sie erstreckt sich entlang der Italienischen Riviera bis in den Nordwesten Spaniens über eine Länge von 5760 Kilometer. Die Kolonie besteht aus mehreren Millionen Nestern mit mehreren Milliarden Individuen. Forschungen ergaben, dass Ameisen dieser und anderer größerer Kolonien der Erde an der Küste Kaliforniens und der Westküste Japans sich gegenseitig nicht bekämpfen. Daher wird angenommen, dass sich das gesamte Ausbreitungsgebiet der Kolonie über mehrere Kontinente erstreckt, verbreitet durch den Menschen. Somit würde diese Kolonie die großte
bekannte Ausbreitung dieser Struktur einer Insektenart darstellen.
* Die Vermessung eines Nestes von Blattschneiderameisen ergab eine Tiefe von
acht Metern unterhalb des Erdbodens und eine Gesamtfläche von 50 m2.
* Eine Ameisenkolonie kann innerhalb von sechs Jahren 1900 Kammern anlegen.
Dafür müssen rund 40 Tonnen Erde und sechs Tonnen Blattstücke in die Kammern
gebracht werden.
* Eine sibirische Ameisenart überwintert in einer Art Kältestarre bei Temperaturen unter −40 °C.
* Weberameisen können sich auf glatten Oberflächen so stark festhalten, dass fast das 200-fache ihres Körpergewichtes nötig ist, um sie zu lösen.
* Wüstenameisen (Cataglyphis fortis) halten unter den Ameisen mit circa einem Meter pro Sekunde den Geschwindigkeitsrekord in der Fortbewegung.
* Die südamerikanische Ameisenart Mycocepurus smithii besteht ausschließlich aus genetisch identischen Weibchen. Sie ist somit die bislang einzig bekannte Art, die sich ausschließlich asexuell vermehrt.
* Die Schnappkieferameise kann ihre Kiefer derart schnell öffnen und
schließen, dass sie wie ein Katapult funktioniert, wenn sie gegen einen
Gegenstand gehalten wird.
Systematik
Ameisen zählen zur Insektenordnung der Hautflügler (Hymenoptera). Innerhalb dieser stehen sie als Familie Formicidae in der Überfamilie Vespoidea, den Faltenwespenartigen, in der Unterordnung der Taillenwespen (Apocrita). Die Ameisen sind also nahe Verwandte der Echten Wespen (Vespinae), werden aber gelegentlich auch als eigene Überfamilie Formicoidea geführt.
Die Familie der Ameisen besteht aus 21 Unterfamilien (und 4 ausgestorbenen Unterfamilien), zu denen insgesamt 12.451 bisher beschriebene Ameisenarten zählen. Da viele Arten noch unbekannt sind, schätzen Entomologen die Gesamtzahl der Arten auf über 20.000 in über 350 Gattungen.
In Europa kommen etwa 180 verschiedene Ameisenarten vor. Der Großteil der Ameisenarten lebt jedoch in den Tropen und Subtropen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes von 1996 bis 2003 im Amazonastiefland in Brasilien wurde eine neue Art entdeckt. Es handelt sich vermutlich um die älteste noch lebende Ameisenart. Sie wurde als Martialis heureka
in einer neuen Unterfamilie beschrieben.
Eine bekannte einheimische Art ist die zu den Schuppenameisen zählende Rote Waldameise (Formica rufa). Neben der Unterfamilie der Schuppenameisen (Formicinae) gibt es in Mitteleuropa noch die der Ur- und Stechameisen (Ponerinae), der Knotenameisen (Myrmicinae) und der Drüsenameisen (Dolichoderinae). In anderen Regionen der Welt kommen noch beispielsweise die Treiber-, Heeres- oder Wanderameisen (Ecitoninae in der Neuen Welt, Dorylinae in der Alten Welt) und Bulldoggenameisen (Myrmeciinae) hinzu.
In Bernstein eingeschlossene Ameisen zeigen, dass diese Insekten schon vor etwa 80 Mio. Jahren existierten. Auch ältere Fossilien sind bekannt, jedoch sind dies nicht unbedingt Vorfahren der heutigen Ameisen. Da diese Fossilfunde von Ameisen mehrere Gattungen umfassen und daher schon eine Evolution stattgefunden haben muss, schätzt man den wahren Ursprung der Ameisen in der Kreidezeit vor über 100 Millionen Jahren.
Nach Bolton (2003) werden innerhalb der Formicidae folgende Unterfamilien
unterschieden:
* Aenictinae
* Aenictogitoninae
* Agroecomyrmicinae
* Amblyoponinae
* Aneuretinae
* Apomyrminae
* † Armaniinae
* † Brownimeciinae
* Cerapachyinae
* Drüsenameisen (Dolichoderinae)
* Dorylinae
* Wanderameisen (Ecitoninae)
* Ectatomminae
* † Formiciinae
* Schuppenameisen (Formicinae)
* Heteroponerinae
* Leptanillinae
* Leptanilloidinae
* Bulldoggenameisen (Myrmeciinae)
* Knotenameisen (Myrmicinae)
* Martialinae (Formicinae)
* Paraponerinae
* Urameisen (Ponerinae)
* Proceratiinae
* Pseudeomyrmecinae
* † Sphecomyrminae
Einige Ameisenarten
* Schwarze Rossameise (Camponotus herculeanus)
* Braunschwarze Rossameise (Camponotus ligniperda)
* Stöpselkopfameise (Camponotus truncatus)
* Haarige Holzameise (Camponotus vagus)
* Rotkopfameise (Cremastogaster scutellaris)
* Grauschwarze Sklavenameise (Formica fusca)
* Rote Waldameise (Formica rufa)
* Kahlrückige Waldameise (Formica polyctena)
* Große Wiesenameise (Formica pratensis)
* Blutrote Raubameise (Formica sanguinea)
* Fremde Wegameise (Lasius alienus)
* Braune Wegameise (Lasius brunneus)
* Zweifarbige Wegameise (Lasius emarginatus)
* Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus)
* Glänzendschwarze Holzameise (Lasius fuliginosus)
* Schwarze Wegameise (Lasius niger)
* Gelbe Schattenameise (Lasius umbratus)
* Große Knotenameise (Manica rubida)
* Messor structor
* Myrmecia gulosa
* Rote Gartenameise (Myrmica rubra)
* Trockenrasen-Knotenameise (Myrmica scabrinodis)
* Amazonenameise (Polyergus rufescens)
* Schmale Urameise (Ponera coarctata)
* Gelbe Diebsameise (Solenopsis fugax)
* Schwarze Blütenameise oder Gemeine Drüsenameise (Tapinoma erraticum)
* Gemeine Rasenameise (Tetramorium caespitum)
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